Eragon
- Der Auftrag des Ältesten
Christopher Paolini
Verlag: CBJ
Seiten: 783
Preis: 19,90 Euro
ISBN: 978-3-570-12804-6
"Sie werden unsere Geschichte in ihren Liedern und Gedichten verewigen. Sie werden 'Das Epos von Carvahall' singen, denn wir waren das einzige Dorf, das den Mut hatte, gegen das Imperium zu kämpfen."
Dunkelheit bricht herein… Schwerter klirren aufeinander… Das Böse regiert.
Der erste Teil von Angelas Prophezeiung ist eingetreten. Sie hatte geweissagt, dass die gewaltigen Mächte des Landes darum ringen würden, den Willen und das Schicksal des jungen Drachenreiters Eragon zu beherrschen. Wie auch immer dieser Machtkampf ausgehen sollte – er würde blutig werden.
Und tatsächlich: In der Schlacht gegen König Galbatorix und seine Urgal-Armee schlägt sich Eragon zwar erfolgreich auf die Seite der Varden, Elfen und Zwerge. Doch die Auseinandersetzung um Farthen Dûr kostet Unzähligen das Leben – nicht zuletzt den Vardenkönig Ajihad, der Eragon in seiner letzten Stunde den Auftrag erteilt, über sein Volk zu wachen, um es vor drohender Anarchie zu bewahren. Nur so könnten sich die Verbündeten im Kampf um das Imperium Galbatorix entgegenstellen. Eine Bürde, die schwer auf Eragons Schultern lastet…
"Das Vermächtnis der Drachenreiter", den ersten Teil der Saga um den jungen Drachenreiter Eragon, habe ich mit Begeisterung in wenigen Tagen durchgelesen und so war es natürlich logisch, dass die Fortsetzung "Der Auftrag des Ältesten" schnell folgen würde. Mit großer Erleichterung und Freude habe ich dann schnell festgestellt, dass der zweite Band seinem Vorgänger in nichts nachsteht und ihn sogar in vielen Aspekten mit Leichtigkeit in den Schatten stellt. Der Leser begleitet Eragon auf seiner nächsten Etappe zum Drachenreiter, die ihn erstmal zu den Elfen führt. Die Ausbildung des jungen Helden nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, allerdings ist sie durchweg spannend zu lesen. Zusätzlich punkten kann die Idee von Christopher Paolini einen zweiten Erzähler einzuführen. So erlebt der Leser in "Der Auftrag des Ältesten" zum ersten Mal aus der Sicht von Roran, dem Cousin von Eragon, was sich in Carvahall abspielt und wie die Bewohner des kleinen Dorfes ihren eigenen Kampf gegen das Imperium führen müssen.
"Der Auftrag des Ältesten" setzt zeitlich nach dem Ende vom ersten Teil der Eragon-Saga an und erzählt von den Geschehnissen nach dem Kampf in Farthen Dûr. Anstatt einer langatmigen Einleitung bietet Christopher Paolini sofort viel Action, Spannung und einige unerwartete Wendungen, die die Handlung langfristig beeinflussen. Obwohl die Intrigen und politischen Ereignisse im Zentrum der Rebellen durchaus spannend zu lesen sind, habe ich mich doch gefreut, als sich Eragon endlich auf seine nächste Reise begeben hat. Seine Erlebnisse auf dem Weg zu den Elfen sind spannend zu lesen und es hat mich gefreut, dass man als Leser einen besseren Einblick in die Welt der Zwerge bekommt, die bisher eher im Hintergrund standen. Dann war es auch endlich so weit und Eragon erreicht endlich Du Weldenvarden und der Leser lernt die Welt der Elfen kennen, worauf ich schon seit dem ersten Teil gewartet habe.
Man merkt, dass Christopher Paolini viel Mühe und Liebe in die vielfältige Welt der Elfen gesteckt hat. Ich habe es genossen die fremdartige Welt zusammen mit Eragon zu erkunden und dabei mehr über das faszinierende und anmutige Volk zu erfahren. In Du Weldenvarden treffen Eragon und Saphira auch auf ihren Lehrer und hier hat Christopher Paolini erneut die Überraschung auf seiner Seite, denn zumindestens ich hätte damit nicht gerechnet. Dem kennenlernen folgen viele Stunden, in denen Eragon und Saphira mehr über ihr Erbe und ihre Aufgabe lernen. Erneut fällt auf, dass der Autor viel Liebe ins Detail steckt, sodass es wirklich Spaß macht "Der Auftrag des Ältesten" zu lesen.
Was mich jedoch noch viel mehr begeistern konnte waren die Kapitel aus der Sicht von Roran! Schon im ersten Teil ist mir der Cousin von Eragon sehr positiv aufgefallen und es hat mich gefreut, dass mein Wunsch er möge mehr im Mittelpunkt stehen direkt erfüllt wurde. Seit Eragons Flucht aus Carvahall ist einiges gesehen und in "Der Auftrag des Ältesten" ist es an Roran sein Schicksal zu akzeptieren und entweder gegen die Herrschaft von Galbatorix zu kämpfen oder mit anzusehen wie er alles verliert was ihm am Herz liegt. Es ist sehr spannend zu erleben wie aus Roran 'Hammerfaust' wird und wie er sich immer mehr zum Anführer entwickelt. Während sich Carvahall gegen Galbatorix auflehnt hat man natürlich auch die Chance die Dorfbewohner besser kennenzulernen, wodurch man sich noch besser in die Geschichte hineinversetzen kann. Mich konnten die Kapitel aus der Sicht von Roran so begeistern, dass es mich nicht gestört hätte, wenn seiner Geschichte direkt die Hälfte des Buchs zugekommen wäre.
SPOILER -
Nur lesen wer das Ende von Teil 2 schon kennt!
Das Ende von "Der Auftrag des Ältesten" hält einige Überraschungen für den Leser bereit und nun lässt sich darüber streiten, ob die nun so positiv sind oder nicht. Zum einen kehrt Murtagh zurück, worüber ich wirklich froh war, da er im 1. Teil der Reihe zu meinem absoluten Liebling geworden ist. Doch einiges hat sich geändert seit man ihm das letzte Mal gesehen hat. Murtagh ist ebenfalls ein Drachenreiter und durch einen magischen Eid dazu gezwungen Galbatorix zu dienen. Dies ist schon mal der erste große Schock, schließlich merkte man in "Das Vermächtnis der Drachenreiter" bereits wie groß Murtaghs Hass auf Galbatorix ist.
Doch als wäre das nicht genug, lässt Christopher Paolini direkt die nächste große Bombe platzen: Eragon ist der Bruder von Murtagh und somit der Sohn vom Morzan, der einst alle Drachenreiter verraten hat und dadurch ihren Untergang besiegelt hat. Christopher Paolini weiß was man für ein atemberaubendes Ende benötigt und lässt den Leser atemlos zurück. Die neuen Erkenntnisse liefern viele Möglichkeiten für den dritten Band und ich bin sehr gespannt was Paolini daraus machen wird. Das Murtagh nun gezwungen ist seinem größten Feind zu dienen schmerzt mich natürlich besonders und ich hoffe sehr, dass es für ihn doch noch ein glückliches Ende geben wird. Ebenso gespannt bin ich aber darauf wie sich Eragon verhalten und vielleicht auch verändern wird, nun da er weiß wer sein Vater ist.
SPOILER ENDE
Eragon, der Titelheld, steht erneut im Mittelpunkt der Geschichte und überzeugt wieder einmal durch seine sympathische und liebenswerte Art. Christopher Paolini nimmt sich diesmal viel Zeit auf Eragon einzugehen, sodass dieser an viel Tiefe gewinnt. Durch die Verletzung, die er im Kampf gegen Durza davongetragen hat, findet sich Eragon in einer vollkommen neuen Situation wieder: der strahlende Held, den alle bewundern, hat eine Narbe davongetragen, die nicht nur seinem Körper sondern auch seiner Seele einiges abverlangt. Durch diese neue Schwäche wirkt Eragon wesentlich menschlicher und vielschichtiger, was mir im ersten Teil noch gefehlt hat. Allgemein macht Eragon in "Der Auftrag des Ältesten" einige Veränderungen durch und diese stetige Weiterentwicklung gefällt mir außerordentlich gut.
Saphira hingegen konnte mich diesmal nicht ganz so überzeugen. Eigentlich fand ich die junge Drachendame sehr liebenswert und unterhaltsam, wobei sie vor allem mit ihrem feinen Humor immer wieder überzeugen konnte. Im zweiten Teil der Reihe wendet sich das Blatt jedoch und während der Zeit in Du Weldenvarden ist sie eine echte Belastung für die Nerven. Obwohl ihr Handeln nachvollziehbar war, hab ich mir doch gewünscht, dass sie sich endlich wieder wie die alte Saphira benehmen würde. Wesentlich begeisterter war ich von ihrem und Eragons Reisegefährten: Orik! Der Zwerg konnte mich bereits in "Das Vermächtnis der Drachenreiter" für sich gewinnen und daran hat sich auch in der Fortsetzung nichts geändert. Er überzeugt durch seine sehr eigene, aber gleichzeitig unglaublich liebenswerte Art, die es einem unmöglich macht, ihn nicht zu mögen.
Oromis und Glaedr treten in "Der Auftrag des Ältesten" zum ersten Mal auf und nehmen dabei sehr wichtige Rollen ein. Die beiden unzertrennlichen Weggefährten konnten mich begeistern, nicht zuletzt weil ihr Auftauchen sehr überraschend kam. Oromis nimmt ein wenig den Platz ein, der mit dem Tod von Brom frei geworden ist. Obwohl sich sicherlich einige Parallelen zwischen den beiden Mentoren finden lässt, war er für mich doch kein Ersatz für den großartigen Brom. Nichtsdestotrotz mochte ich Oromis und Glaedr sehr gern und würde mich freuen ihnen noch öfter zu begegnen. Nasuada, der Tochter von Ajihad kommt diesmal eine wesentlich größere Rolle. Jedoch bin ich sehr uneinig was das neue Oberhaupt der Varden angeht. Ich kann noch nicht wirklich sagen, ob ich sie nun mögen soll, da es viele Momente gab in denen sie mir gar nicht gefallen hat. Daher bin ich gespannt was die Fortsetzung hinsichtlich Nasuada zu bieten hat.
Ebenfalls neu dazu kommt Königin Islanzadí, das Oberhaupt der Elfen. Leider kam sie bisher noch etwas zu kurz, sodass man noch nicht viel über sie erfahren konnte. Ich würde mich freuen, wenn sie in der Fortsetzung mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommen würde, da sich sie bisher sehr vielversprechend fand und es bestimmt interessant wäre mehr über sie zu erfahren. Arya darf natürlich ebenfalls nicht fehlen und langsam aber sicher offenbart Christopher Paolini immer mehr über die geheimnisvolle Elfe. Man kann sich besser in sie hineinversetzen, aber trotzdem ist sie mir bisher noch ein wenig fremd und es fällt schwer eine richtige Verbindung zu ihr aufzubauen. Trotzdem gefällt es mir wirklich gut, dass sie keinesfalls die typische Prinzessin ist, die immer von dem tapferem Ritter gerettet werden muss, sondern für sich selber steht und dazu im Stande ist für das zu kämpfen an das sie glaubt.
Kommen wir nun jedoch zu meinem Liebling aus "Der Auftrag des Ältesten": Roran Hammerfaust! Ich hab mich unglaublich gefreut, dass mein Wunsch Roran möge in der Fortsetzung mehr Aufmerksamkeit zukommen, direkt in Erfüllung ging. Christopher Paolini widmet Roran einen ganzen Handlungsstrang, der die Geschichte von Eragon fast schon in den Schatten stellt und erzählt wie aus Roran der gefürchtete Hammerfaust wird. Meiner Meinung nach macht der Cousin von Eragon dadurch aber in "Der Auftrag des Ältesten" auch die größte Entwicklung durch. Er zeigt welch starke Persönlichkeit er ist, der sogar bereit ist sich gegen den gefürchteten Galbatorix aufzulehnen. Statt zu zögern oder sich zu ergeben stellt er sich seinen Ängsten und wird zu einem wahren Anführer. Ich hab jedes einzelne Kapitel von Roran mit Freude gelesen und hoffe sehr, dass man auch in der Fortsetzung Kapitel aus seiner Sicht lesen darf, da ich gerne aus erster Hand sehen möchte wie es mit Roran Hammerfaust weitergeht.
Die Dorfbewohner von Carvahall kommen durch die Handlung rund um Roran in "Der Auftrag des Ältesten" natürlich auch nicht zu kurz. Besonders gefreut hat es mich, dass es ein Wiedersehen mit dem sympathischen Horst gibt. Der Schmied aus Carvahall konnte mich schon in "Das Vermächtnis der Drachenreiter" begeistern, wobei ich selber nicht sagen kann warum genau. Er ist einfach ein Charakter, den man ins Herz schließt. Doch auch seine Söhne Baldor und Albriech, die alle drei immer hinter Roran standen, gehörten zu meinen Lieblingen der Geschichte. Ich hoffe, dass man ihnen noch öfter begegnen wird und bin gespannt wie es ihnen nach der Flucht aus ihrer Heimat ergehen wird. In "Der Auftrag des Ältesten" gibt es zudem ein Wiedersehen mit einem anderen alten Bekannten: Jeod. Im Leben des Händlers aus Teirm ist einiges gesehen, seit man ihn das letzte Mal begegnet ist und seine Entwicklung im zweiten Band konnte mich wirklich begeistern. Er ist ein interessanter Charakter, dem Christopher Paolini gerne mehr Aufmerksamkeit schenken kann.
Der zweite Teil der Reihe um den jungen Drachenreiter Eragon und seinem Schicksal kann von der ersten Seite an fesseln und schafft es mit einer verblüffenden Leichtigkeit seinen Vorgänger in den Schatten zu stellen. Während im ersten Teil noch die Flucht von Eragon im Mittelpunkt stand, konzentriert sich "Der Auftrag des Ältesten" auf die Ausbildung des Drachenreiters, sowie auf den neuen Handlungsstrang von Roran, dem Cousin vom Eragon, der in Carvahall seinen eigenen Kampf führen muss. Dadurch gewinnt das Buch an sehr viel Spannung, sodass die fast 800 Seiten regelrecht im Flug vergehen. Christopher Paolini nimmt sich nun mehr Zeit seine Charaktere auszuarbeiten und ihnen mehr Tiefe zu verleihen, sodass man sie nicht nur besser kennenlernt, sondern sich auch wesentlich leichter in sie hineinversetzen kann. Auch der Kampf gegen Galbatorix spitzt sich weiter zu und wird durch einige überraschende Wendungen der Geschichte in eine ganz neue Richtung gelenkt. "Der Auftrag des Ältesten" ist eine vollkommen gelungene Fortsetzung! Man merkt jedoch, dass in der Reihe noch mehr Potential steckt und ich zweifle nicht daran, dass Christopher Paolini das im dritten Teil weiter ausschöpfen wird. Ich freue mich auf die Fortsetzung und kann jedem Fantasy-Fan "Der Auftrag des Ältesten" ans Herz legen.
Eragon schloss die Augen. Tränen quollen unter den Lidern hervor.
Sie hatten zwar gewonnen, er selbst aber hatte verloren.
FAZIT
"Der Auftrag des Ältesten" hält den Leser mit einer großartigen Handlung und überraschenden Wendungen in Atem. Eine absolut gelungene Fortsetzung, die neugierig auf den 3. Teil macht.
NOTE
8 / 9 Punkten