Dienstag, 24. Januar 2012

Rezension: Arthur und der Botschafter der Schatten von Gerd Ruebenstrunk


ARTHUR UND DER BOTSCHAFTER DER SCHATTEN
Gerd Ruebenstrunk


Verlag: ArsEdition
Seiten: 410
Preis: 16, 95 Euro
ISBN: 978-3-7607-5190-0



Beim erfahrenen Buchschnüffler ruft der Geruch eines Buches ein warmes, angenehmes Gefühl hervor, das den ganzen Körper durchströmt. Es sind die Erinnerungen an all jene Gelegenheiten, bei denen man Bücher mit einem ähnlichen Duft gelesen hat, ohne dass man sich an einen bestimmten Inhalt erinnert.


Ein Jahr ist es her, dass Arthur und Larissa den Spuren der vergessenen Bücher gefolgt sind, die sie nach Amsterdam und Bologna geführt haben, wo die beiden ungleichen Freunde unfassbare Abenteuer erlebt haben. Die eingekehrte Ruhe findet jedoch ein schnelles Ende, als eines Tages der mysteriöse Pontius Pluribus erneut vor Arthur steht. Diesem ist schnell klar, dass die Vergessenen Bücher erneut in Gefahr sind, die diesmal vielleicht noch größer ist, als das letzte Mal. Gleichzeitig erhält Larissa eine geheimnisvolle Nachricht, die in ihr Hoffnungen weckt, dass ihre verschollenen Eltern vielleicht doch noch leben. Eine Antwort darauf wird ihr von einem seltsamen Schattenwesen versprochen, das jedoch eine Bedingung stellt: Larissa muss das "Buch der Wege" finden und ihm übergeben.

Das verzweifelte Mädchen ist bereit alles zu tun, um einen Hinweis auf ihre Eltern zu erhalten, sodass sie die Absichten des rätselhaften Wesens nicht einmal in Frage stellt. Um Larissa zu helfen und um zu verhindern, dass sie irgendwelche dummen Dinge tut, die sie später bereuen würde, erklärt sich Arthur bereit Larissa zu begleiten. So stürzen sich die beiden Freunde in ein neues Abenteuer, das sie neuen Gefahren aussetzt. Dabei muss Arthur feststellen, dass die Macht der Vergessenen Bücher viel weiter reicht, als er es sich je zu träumen gewagt hat. In Córdoba und Dubrovnik finden sie mehr über die Vergangenheit der Bücher heraus und müssen sich neuen Feinden stellen, wobei sie jedoch auch wieder neue Verbündete finden, von denen einige ebenso rätselhaft sind, wie die Bücher, deren Spur sie folgen.






Das Abenteuer rund um Arthur, Larissa und die Vergessenen Bücher geht weiter und führt den Leser wieder einmal auf eine unglaubliche Reise. Die Spannung steigt bereits auf den ersten Seiten und Gerd Ruebenstrunk schafft es glücklicherweise sie bis zum Ende hoch zu halten, sodass beim Leser erst gar keine Langeweile aufkommt. Besonders begeistert mich, dass die Reihe um die Vergessenen Bücher keinesfalls nur für jüngere Leser geeignet ist, sondern eindeutig von allen Altersklassen gelesen werden kann. Es ist ein Spaß für die ganze Familie und gehört daher unbedingt ins Bücherregal. Man erfährt auf der Reise sehr viel über die einzelnen Orte, ohne das man dabei jedoch das Gefühl hat im Unterricht zu sitzen. Zudem sind die Charaktere sehr liebevoll gezeichnet und man kann gar nicht anders, als mit ihnen mitzufiebern. Gerd Ruebenstrunk hat sich eine wunderbare Geschichte ausgedacht, die mit neuen Ideen punktet und den Leser begeistert zurück lässt.



Der Prolog bietet einen besonders gelungen Einstieg in die Geschichte rund um Arthur und den Botschafter der Schatten. Man ist direkt mitten im Geschehen und Gerd Ruebenstrunk schafft es bereits die ersten Seiten unglaublich spannend zu gestaltet. Der Prolog bietet einen Blick in die Vergangenheit und obwohl es nur ein paar Seiten sind, hat man fast das Gefühl in einem kleinen Thriller zu stecken. Wie schon in "Arthur und die Vergessenen Bücher" ist der Titelheld zugleich auch der Erzähler, aus dessen Sicht die Geschichte geschildert wird. Man kann sich sehr gut in den jungen Abenteurer hineinversetzen, sodass er als einziger Erzähler auch vollkommen ausreicht. Besonders froh bin darüber, dass Larissa nicht als Erzählerin auftritt. Wenn man sie mag, wäre es sicherlich eine Bereicherung, aber für mich wäre das gar nicht gegangen. Und obwohl es sicherlich recht interessant wäre mehr aus der Sicht einiger Nebencharaktere mitzuerleben, reicht mir die Sichtweise von Arthur doch vollkommen aus.

Die ersten Kapitel in "Arthur und der Botschafter der Schatten" dienen als leichter Einstieg in die Geschichte. Man trifft auf alte Bekannte, die Spannung wird langsam aufgebaut und man bekommt einen kleinen Ausblick darauf, was einem im Laufe des Buches erwartet. Schon nach kurzer Zeit begeben sich Arthur und Larissa dann auch schon wieder auf die Reise und der Leser kann sich auf die erste, fremde Stadt freuen: Córdoba. Kaum in der spanischen Stadt angekommen wird die Spannung bereits sehr hochgetrieben und bevor man sich versieht, befindet man sich erneut auf der Flucht und wird von neuen Feinden gejagt. Trotz der spannenden Handlung findet Gerd Ruebenstrunk die Zeit immer wieder Informationen über die jeweilige Stadt, in der sich seine Helden befinden, mit einzubringen. Was mir besonders gut gefällt ist, dass sich diese Informationen keinesfalls aufdrängen, sondern immer mal wieder mit eingewoben werden und man somit Neues lernt, ohne es wirklich zu bemerken. So bekommt man nicht nur allgemeine Informationen über die Städte, sondern auch einen kleinen Einblick in die Vergangenheit.

Nach Córdoba führt die Reise nach Kroatien, um genauer zu sein nach Dubrovnik. Dieser Teil ist meiner Meinung nach noch gelungener als der Anfang, da die Handlung nicht nur spannender, sondern auch wesentlich unterhaltsamer ist. Es kommt zum Kampf gegen einen gefährlichen Gegner, der einen fast das atmen vergessen lässt und auch das Ende des Buches selbst spielt in der außergewöhnlichen Stadt. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte die Handlung in Dubrovnik gerne einen noch größeren Teil einnehmen können. Das einzige was man eventuell als kleinen Kritikpunkt anführen könnte, ist dass es stellenweise schon ein wenig unrealistisch erscheint, dass sich Arthur und Larissa ganz alleine auf so eine Weltreise begeben. Ich hab dies schon in meiner Rezension zum ersten Buch angeführt und bin froh, dass die beiden Freunde nun immerhin ein wenig älter sind, sodass es nicht mehr ganz so unrealistisch erscheint. Zudem würde ich mir wünschen, dass sie nicht jedem Ärger sofort auch wieder entkommen.



Arthur macht im zweiten Band der Reihe um die Vergessenen Bücher eine große Entwicklung durch und erscheint stellenweise wesentlich erwachsener, als er eigentlich ist. Gerd Ruebenstrunk hat mit Arthur einen sehr liebenswerten und sympathischen Charakter erschaffen, der dem Leser direkt ans Herz wächst. Der junge Held zeichnet sich besonders durch seine innere Stärke und Gelassenheit aus. Er weiß ganz genau was er will und vertritt eisern seine Ansichten. Zudem schafft er es Larissas Launen kommentarlos zu ertragen, wofür er meiner Meinung nach fast schon eine Auszeichnung verdient. Arthur ist ausgesprochen klug und einfallsreich, was sich vor allem in den vielen gefährlichen Situationen zeigt, in denen er stets einen kühlen Kopf bewahrt. Vor allem jüngeren Lesern kann Arthur als gutes Vorbild dienen, während Leser aller Altersklassen ihm mit viel Vergnügen auf seinem Abenteuer begleiten.

Neben Arthur gibt es jedoch auch noch eine weibliche Hauptfigur und wer meine Rezension zu "Arthur und die Vergessenen Bücher" kennt, weiß dass ich so meine Probleme mit Larissa hatte. Daran hat sich auch in der Fortsetzung leider nicht sonderlich viel geändert. Das junge Mädchen muss in diesem Band viel durchmachen und sich mit dem Verlust ihrer Eltern auseinandersetzen. Das rechtfertigt jedoch, wie ich finde, ihr Verhalten kein Stück und so habe ich die ganze Zeit über vergebens versucht ihr Handeln nachzuvollziehen. Sie benimmt sich außerordentlich kindisch und nervig, womit sie das komplette Gegenteil zu Arthur ist. Diesem widerspricht sie zudem am laufenden Band und mit der Zeit hat man das Gefühl, dass sie nur aus Trotz immer anderer Meinung ist. Ich bin gespannt auf ihre Entwicklung im Abschluss der Trilogie und hoffe, dass ich dann endlich warm mit ihr werde.

In "Arthur und der Botschafter der Schatten" betreten wieder einige Nebencharaktere die Bühne, welche allesamt nicht unwichtig für den Verlauf der Handlung sind. Und wie schon im vorherigen Buch hat es mir hier einer dieser Figuren besonders angetan: Pomet. Er hat mich ein wenig an Gerit aus dem 1. Band erinnert und wenngleich Pomet nicht mit ihm mithalten konnte, fand ich ihn doch sehr unterhaltsam und sympathisch. Man erfährt im Verlauf der Handlung nur sehr wenig über ihn, aber gerade dadurch wirkt er besonders geheimnisvoll und wächst dem Leser zwangsläufig ans Herz.

Es gibt natürlich noch weitere Nebencharaktere, die jedoch nicht ganz so eine große Rolle bekommen, wie Pomet. Doch ob es nun der Maure, Torres oder Markovíc ist, eins haben sie alle gemeinsam: sie haben etwas sehr individuelles an sich, wodurch sie trotz weniger Auftritte authentisch erscheinen. Sie wirken lebendig und habe etwas eigenes: einige sind liebenswert, andere wiederum geheimnisvoll und gefährlich und andere humorvoll. Mit seinen Charakteren hat mich Gerd Ruebenstrunk wirklich begeistern können und ich würde mich freuen den ein oder anderen im Abschluss der Reihe wiederzusehen.



Im Gegensatz zum ersten Buch finden sich in "Arthur und der Botschafter der Schatten" zwei Landkarten zu den jeweiligen Handlungsorten: eine Karte zu Córdoba und eine zu Dubrovnik. Diese sind zum einen sehr schön gezeichnet und dienen gleichzeitig als große Hilfe. Ich bin ja sowieso ein großer Fan von Karten und fand es sehr schön, dass man nun auch bei den "Arthur" Büchern genau verfolgen konnte, welchem Weg die Charaktere folgen und wo ihre eigentlichen Zielorte genau liegen. Die Gestaltung des Buches ist wieder einwandfrei. Diesmal ist das Cover in einem sehr schönen blauen Farbton gestaltet und es lässt sich nicht abstreiten, dass die Reihe um die "vergessenen Bücher" ein echter Blickfang ist.



"Arthur und der Botschafter der Schatten" ist eine gelungene Fortsetzung, die einen auf eine abenteuerliche Reise in fremde Städte mitnimmt und dabei gleichermaßen unterhaltsam und lehrreich ist. Besonders schön finde ich, dass Bücher der zentrale Mittelpunkt in der Reihe sind, da mir so was immer gut gefällt, bestes Beispiel ist dafür wohl die "Tintenwelt" Trilogie von Cornelia Funke. Einen weiteren Pluspunkt gibt es zudem noch, weil die Reihe für alle Altersklassen geeignet ist. Obwohl das Zielpublikum Kinder und Jugendliche sind, können auch Erwachsene zu den Büchern greifen. Die Charaktere sind wie schon im ersten Band durch die Reihe sehr interessant und vielfältig. Der Titelheld hat mich von Anfang an begeistert und lässt einen über die anstrengende Heldin der Reihe hinwegsehen. Auch die Nebencharaktere ziehen mich regelmäßig in ihren Bann. "Arthur und der Botschafter der Schatten" leistet so gute Unterhaltung, dass man es kaum zur Seite legen kann und es leider viel zu schnell durch hat. Ich freue mich schon auf den Abschluss der Reihe und möchte allen Buchliebhabern, die Arthur noch nicht kennen, das Buch ans Herz legen.

Im Lichte dicker Kerzen studierten wir die Schriften, machten uns Notizen und tauschten unsere Meinungen dazu aus. Ich fühlte mich furchtlos und frei, denn dies war ein Ort, an dem man keine Angst haben musste. Uns alle verband der Wunsch, aus der Welt einen besseren Ort zu machen.


FAZIT
Das zweite Abenteuer eines jungen Helden, der mich wieder einmal verzaubert hat und auf eine großartige Reise mitgenommen hat.

NOTE
8 / 9 Punkten

Vielen Dank an ArsEdition für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Montag, 23. Januar 2012

Rezension: Die Prophezeiung von Krystyna Kuhn


DIE PROPHEZEIUNG
- Das Tal
Krystyna Kuhn


Verlag: Arena
Seiten: 269
Preis: 9,95 Euro
ISBN: 978-3-401-06532-8


Plötzlich ein Schnitt. Dunkelheit. Das Rauschen des Wasserfalls war verklungen. Dafür hörte sie nun jemanden heftig atmen. Sie fuhr herum, doch da war niemand. Schritte. Schnee knirschte. Äste knackten. Stöhnen. Und wieder lautes Keuchen. Es klang nach einer großen Anstrengung. Doch wer immer da so keuchte – er war nicht auf dem Bild zu erkennen.


Nach den Ereignissen am Rembrance Day ist endlich wieder Ruhe im Tal eingekehrt. Doch wie zu erwarten lässt der nächste Sturm nicht lang auf sich warten. Mitten in der Prüfungszeit verschwindet Benjamin plötzlich spurlos und bleibt für ganze drei Tage verschwunden. Als er ins Grace College zurückkehrt, scheint er vollkommen verändert. Benjamin scheint völlig neben sich zu stehen, redet unverständliche Dinge und bricht schließlich mitten im Unterricht zusammen. Im Krankenhaus merken die Ärzte schnell, dass der Junge in Lebensgefahr schwebt. Niemand weiß welche Droge den Höllentrip von Benjamin hervorgerufen hat und mit jeder Stunde verschlechtert sich sein Zustand.

Währenddessen versucht Katie im Grace College herauszufinden was passiert ist. Hat Benjamin lediglich einmal zuviel mit Drogen experimentiert? Oder muss er um sein Leben bangen, weil er etwas über die Vergangenheit des Tals herausgefunden hat? Zusammen mit Robert und David macht sich Katie auf den Weg um das Geheimnis zu lüften. Sie folgen Benjamins Spur und machen dabei eine unfassbare Entdeckung, die alles zu verändern droht. Doch schnell müssen die drei Freunde feststellen, dass nicht nur Benjamin um sein Leben bangen muss.




"Die Prophezeiung" ist bereits der vierte Teil der Reihe rund um "Das Tal" und ich kann erfreut berichten, dass die Serie immer besser wird. Nach einem guten Einstieg hat mich der zweite Teil ja eher enttäuscht. Doch "Der Sturm" hat mich restlos begeistert und "Die Prophezeiung" konnte das tatsächlich noch mal toppen! So kann es gerne weitergehen. Ein Grund für meine Begeisterung ist eindeutig, dass nach langem warten meine Lieblingscharaktere in den Vordergrund gerückt sind. Endlich erfährt man mehr von Robert und auch David hat diesmal einen wesentlich größeren Auftritt. Der vierte Teil führt den Leser erneut tiefer in die Geheimnisse des Tals, was ebenso erfreulich, wie auch frustrierend ist. Denn mit jeder Antwort kommen mehrere neue Frage auf. Die Vergangenheit des Tals nimmt immer mehr Einfluss auf die Geschehnisse der Gegenwart und ich bin wirklich gespannt welche Rätsel in der zweiten Season gelüftet werden.



Die Spannung der vorherigen Bücher lässt auch in "Die Prophezeiung" nicht lang auf sich warten. Wie gewohnt befindet sich der Leser sehr schnell mitten im Geschehen wieder, wobei ich das Gefühl hatte, dass es diesmal noch schneller zur Sache ging, als zuvor. Alles beginnt mit dem Auftauchen von Benjamin, der wie ausgewechselt ist und den man kaum wiedererkennt. Über all dem steht die Frage was mit ihm passiert ist und wieso er für ganze drei Tage wie vom Erdboden verschwunden war. Als es zu einer dramatischen Wende kommt und ein Leben auf den Spiel steht, machen sich Katie, Robert und Benjamin auf Spurensuche, um herauszufinden was hinter allem steckt. So kommt zu der Spannung nun auch noch der Zeitdruck hinzu, der für die drei allgegenwärtig ist und ihnen so zusetzt, dass sich dies auf den Leser überträgt.

Es ist fast schon ein wenig frustrierend, dass der Leser kaum etwas über das Tal herausfindet. Man weiß genau, dass etwas mit diesem seltsamen Ort nicht stimmt, aber so ganz will sich der Schleier nicht lichten. Man bekommt immer wieder kleine, neue Informationen, aber für jedes gelüftete Geheimnis, steht man direkt vor drei neuen Rätseln. Und obwohl man auch in "Die Prophezeiung" nicht sonderlich viel Neues erfahren hat, merkt man als Leser doch eindeutig, dass man dem großen Geheimnis einen großen Schritt näher gekommen ist. Der 4. Teil der Reihe zeichnet sich durch eine extrem spannende Handlung aus. Obwohl es weniger Action gibt, als beispielsweise in "Der Sturm", ist dafür die unsichtbare Bedrohung hier wesentlich größer. Man weiß nie genau was als nächstes passiert und muss die ganze Zeit fürchten, dass plötzlich etwas Schreckliches passiert. Man fühlt sich als Leser ebenso beklemmt wie die Charaktere und ist gleichermaßen über die Entdeckungen schockiert. Ich bin wirklich gespannt was "Das Tal" als nächstes für den Leser bereit hält und kann es kaum abwarten weiter zu lesen.

Ein neues und sehr spannendes Element in "Die Prophezeiung" ist die indirekte Nebenhandlung. Durch das 'Grace Dossier' bekommt der Leser einen Einblick in die Vergangenheit und erhält einige Informationen darüber was den Studenten damals auf dem Ghost passiert ist. Zu Beginn jedes Kapitels finden sich Briefe, Listen, Tagebucheinträge etc. die von den Studenten verfasst wurden. Ich fand dies einen wirklich gelungenen Einfall, da er neue Spannung in die Geschichte bringt und zudem ein wenig Licht in die Dunkelheit bringt. Die Geschehnisse von damals erscheinen dadurch wesentlich realer, da man als Leser nun auch die Möglichkeit hat die einzelnen Charaktere ein wenig kennenzulernen. Davon abgesehen ist der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannend zu beobachten. Ich hoffe sehr, dass Krystyna Kuhn dies in den folgenden Romanen beibehält, da man so doch mehr über das Tal erfährt, als durch die einseitige Sicht der momentanen Studenten.



Ich habe lang genug drauf gewartet und in "Die Prophezeiung" war es soweit: Robert bekam endlich einen größeren Auftritt. Von Anfang an fand ich den verschlossenen Bruder von Julia am interessantesten und habe mir gewünscht mehr über ihn zu erfahren. Krystyna Kuhn hat mit Robert einen sehr facettenreichen Charakter erschaffen, der in seiner eigenen Welt lebt, aber auch unglaublich liebenswert ist. Es hat stets den Anschein, als wäre Robert mit seinen Gedanken in einer anderen Dimension und es überrascht niemanden, dass er auf alles eine Antwort hat. Doch gleichzeitig zeigt sich, dass er auch eine sehr sensible und einfühlsame Seite hat. Was mich besonders fasziniert hat war, dass Robert in einem Moment wie ein Fels in der Brandung erscheint und im nächsten Augenblick plötzlich am Abgrund zu stehen scheint. Ich empfand ihn als sehr widersprüchlich und würde mir wünschen, dass wir mehr über ihn lesen dürfen und es vielleicht auch mal ein Buch komplett aus seiner Sicht gibt.

Nachdem ich in "Der Sturm" auf David, meinen zweiten Liebling, verzichten musste, war ich natürlich mehr als erfreut, als ich gesehen habe, dass auch er einen zentralen Punkt im Abschlussband der ersten Season einnimmt. Mir ist David nach wie vor unglaublich sympathisch und meiner Meinung nach ist er mit Abstand am liebenswürdigsten. Das Einzige was auffällt ist, dass er – gerade im Vergleich zu Robert – eher oberflächlich gehalten wurde. So scheint sich Krystyna Kuhn noch nicht ganz um die Tiefe dieses großartigen Charakters gekümmert zu haben. Gleichzeitig ist natürlich offensichtlich, dass er wohl auch noch einige Geheimnisse vor den anderen verbirgt und ich hoffe natürlich, dass diese in der zweiten Season enthüllt werden.

Katie ist mir von den weiblichen Charakteren in "Der Tal" Reihe wie zuvor am sympathischsten und so hat sie – meiner Meinung nach – das perfekte Trio komplettiert. Man hat zwar nicht viel Neues über sie erfahren, dafür hat sich aber ein interessanter Wendepunkt in ihrer Geschichte ergeben, von dem ich hoffe, dass er noch näher beleuchtet wird. Ansonsten kann ich nur hoffe, dass sich Krystyna Kuhn öfter auf Robert, David und Katie konzentriert, da die drei wunderbar im Team funktioniert haben und einem richtig ans Herz gewachsen sind. Die restlichen Charaktere aus dem Grace College kamen in "Die Prophezeiung" kaum vor, was mich jedoch nicht weiter gestört hat. Ganz im Gegenteil hab ich es sogar genossen, dass man seine Ruhe von Julia und Chris hatte, denen ich mittlerweile wirklich nichts mehr abgewinnen kann.



Was mir in "Die Prophezeiung" wieder einmal aufgefallen ist – und es daher wert ist mal angesprochen zu werden – sind die Parallelen zu "Lost". Mir ist schon in den vorherigen Büchern aufgefallen, dass sich Krystyna Kuhn wohl ein wenig von der Erfolgsserie von J.J. Abrams inspirieren lässt. In dem 4. Band fand ich dies nun noch ein wenig auffälliger. Vor allem als es um die versteckte Tür und die Geheimgänge, mit dem mysteriösen Raum ging, kam mir das alles doch sehr bekannt vor. Dies soll nun kein direkter Kritikpunkt sein, sondern lediglich eine Beobachtung, die ich gerne ansprechen wollte, um zu sehen, ob es anderen Lesern ähnlich erging oder ob ich das als Einzige so sehe.



"Die Prophezeiung" kann vom Anfang bis zum Ende fesseln und wenn man das Buch erstmal aufgeklappt hat, fällt es ausgesprochen schwer es wieder aus der Hand zu legen. Langsam kommt das Gefühl auf, dass sich die Protagonisten und damit auch der Leser dem großen Rätsel des Tals nähern. Ein großer Pluspunkt des vierten Teils ist sicherlich die stets steigende Spannung. Krystyna Kuhn schafft es sich selbst zu übertreffen und wenngleich man nicht umher kommt zu bemerken, woher die Autorin ihre Inspiration nimmt, konnte mich das Buch vollkommen begeistern. Es ist eine spannende Unterhaltung für zwischendurch und die perfekte Lektüre für eine lange Zugfahrt. Ich hoffe sehr, dass Frau Kuhn dieses Niveau in der zweiten Season halten kann. Zudem würde ich mir wünschen, dass sie ihre Aufmerksamkeit eher Sympathieträgern wie David oder rätselhaften Charakteren wie Robert schenken würde, da ich ihrem Abenteuer wesentlich lieber gefolgt bin, als denen von Julia und Co. Ich halte die komplette Reihe rund um "Das Tal" für ausgesprochen empfehlenswert und freue mich schon auf die nächsten Teile.

Sie hörte wieder seinen rasselnden, keuchenden Atem. Doch diesmal war sie nicht sicher, ob es lediglich von der Anstrengung herrührte. Nein – da schwang etwas anderes mit. Angst.


FAZIT
"Die Prophezeiung" ist der grandiose, fesselnde Abschluss der 1. Season und macht Vorfreude auf die nächsten Teile der spannenden und geheimnisvollen Reihe.

NOTE
9 / 9 Punkten

Samstag, 21. Januar 2012

Rezension: Der Sturm von Krystyna Kuhn


DER STURM
- Das Tal
Krystyna Kuhn


Verlag: Arena
Seiten: 264
Preis: 9,95 Euro
ISBN: 978-3-401-06531-1



Langes Schweigen. Sie vergrub den Kopf an seiner Schulter. Er hätte ewig so stehen können. Der Geruch ihrer Haare, ihrer Haut - noch nie, in keiner der Nächte, die sie zusammen verbracht hatten, waren sie sich so nah gewesen wie jetzt unter dem strahlend blauen Himmel auf dieser Lichtung.


Remembrance Day! Diesen Tag wollen Julia und Chris nutzen, um das Tal über die Feiertage zu verlassen und endlich in Ruhe Zeit gemeinsam zu verbringen. Damit sind sie nicht alleine, denn auch die anderen Studenten zieht es nach außerhalb, da das Grace College über die Feiertage komplett schließt und ein paar unbeschwerten Tagen somit nichts entgegensteht. Doch als die Freunde aufbrechen wollen, ist es bereits zu spät. Ein Jahrhundertsturm zieht auf und schneidet Chris, Julia, Debbie, Rose und Benjamin von der Außenwelt ab und zwingt sie somit im verlassenen College zu bleiben. Schnell müssen sie feststellen, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zu sich geht.

Der Sicherheitsbeamte Ted verschwindet spurlos. Die Freunde sind ratlos was mit ihm passiert ist und wo sie ihn suchen könnten. Gleichzeitig scheint mit Debbie etwas nicht zu stimmen, denn mit jeder Stunde verhält sie sich komischer. Und als ihnen dann auch noch eine Video zugespielt wird, auf dem Bilder aus der Vergangenheit des Tals zu sehen sind, wird den Freunden eins klar: jemand treibt ein seltsamen und gefährliches Spiel mit ihnen. Während der Sturm weiter wütet, schweben sie in Lebensgefahr, ohne das jemand ihnen zur Hilfe eilen kann. Abgeschnitten von der Außenwelt müssen sich die Studenten einer unbekannten Gefahr stellen.




"Das Tal" konnte mich von Anfang an begeistern, doch leider fand ich den 2. Teil der Reihe, im Vergleich zum Auftakt, eher mittelmäßig. Umso glücklicher bin ich, dass Krystyna Kuhn dies mit "Der Sturm" locker wieder gut machen konnte. Auf jeder einzelnen Seite erwartet den Leser die pure Spannung und die Frage welches Geheimnis das Tal verbirgt wird natürlich immer größer. Man möchte mehr erfahren und muss stattdessen mit ansehen wie sich immer mehr Fragen bilden. Der 3. Band ist wesentlich düsterer als sein Vorgänger und besonders die geheimnisvolle und vor allem unheilvolle Atmosphäre hat es mir wirklich angetan. Man kann es kaum erwarten herauszufinden was im nächsten Kapitel passiert und ehe man sich versieht hat man das Buch bereits beendet. Der einzige Kritikpunkt liegt bei den Charakteren. Denn obwohl es großartige und interessante Charaktere unter den Studenten gibt, befasst sich Krystyna Kuhn schon wieder mit den unsympathischen Vertretern, was die Lesefreude ein wenig mindert.



Alle die "Der Sturm" am Erscheinungstag gekauft und angefangen haben, erwartete eine besondere Überraschung. Die Handlung setzt am 11. November, dem Remembrance Day, ein und somit am Tag der Veröffentlichung. Dies ist eine wirklich gelungene Idee des Verlag, da es wohl keinen besseren Zeitpunkt gibt den 3. Band zu lesen, als beim stürmischen Wetter. Wenn es draußen regnet und bereits eine unheimliche Atmosphäre herrscht, fühlt man sich direkt in die Handlung hineinversetzt. Wie schon in den vorherigen Bändern ist man als Leser sehr schnell wieder in der Geschichte drin und hat fast das Gefühl selber ein Teil davon zu sein. Im Gegensatz zu den vorhergegangenen Büchern stehen diesmal Chris und Debbie im Vordergrund. Obwohl ich einen Wechsel der Erzähler grundsätzlich nicht schlecht finde, war es diesmal doch eher problematisch, da ich beide Charaktere als sehr unsympathisch empfunden habe. Dadurch fällt es schwer eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und ich kann nur hoffen, dass dieses Erzählduo kein zweites Mal auf die Bühne tritt.

Die Handlung ist jedoch wieder sehr spannend und das Buch ist noch geheimnisvoller und düsterer als sein Vorgänger. Aus dem Grund fand ich "Der Sturm" viel gelungener als "Die Katastrophe". Das Buch hat mir wirklich gut gefallen und kann sogar den Auftakt zur Serie in den Schatten stellen. Die ganze Zeit über kommt der Leser kaum zum atmen, weil sich immer neue Wendungen ergeben, neue Geheimnisse gelüftet werden und weitere Rätsel auftauchen. Mich hat die Atmosphäre im Buch unglaublich begeistert und ich hoffe sehr, dass Krystyna Kuhn diese mit in die weiteren Teile der Reihe nimmt. Obwohl man sich zwischendurch die Frage stellt, ob die Autorin wirklich auf alles eine Frage hat oder sich nicht vielleicht doch in ihrem eigenen Labyrinth verläuft, sind diese Zweifel schnell vergessen. Man ist als Leser viel zu sehr damit beschäftigt sich Gedanken über die Handlung zu machen.



Chris konnte ich seit "Der Katastrophe" nicht mehr leiden und obwohl ich mir wünschen würde, dass sich daran etwas geändert hat, hat sich dieser Eindruck höchstens verstärkt. Er wird wohl nie mein Lieblingscharakter, da er mir einfach zu unsympathisch ist. Chris ist die ganze Zeit auf Julia und ihre Beziehung konzentriert, sodass der Leser irgendwann nur noch genervt den Kopf schütteln kann. Obwohl sich Krystyna Kuhn Mühe gibt ihn wie gewohnt gut zu schildern, um den Leser von Chris zu überzeugen, kann man einfach keine Beziehung zu ihm aufbauen. Doch noch wesentlich unsympathischer – und zwar mit Abstand - ist Debbie. Sie ist einfach nur nervig und unglaublich egoistisch. Sie denkt nie an andere und ist die ganze Zeit so selbstmitleidig, dass es mehr als schwer fällt ihr irgendetwas Gutes abzugewinnen. Was die Autorin bewegt hat so jemanden in den Mittelpunkt zu stellen bleibt mir ein Rätsel.

Da kam es mir nur Recht, dass es noch Benjamin gab, der von dem unsympathischen Duo Chris & Debbie ablenkt. Mir ist Benjamin unglaublich ans Herz gewachsen und ich hätte mir gewünscht, dass man in "Der Sturm" noch mehr über ihn erfahren hätte. Bisher hat man – für meinen Geschmack – noch viel zu wenig über seine Vergangenheit herausgefunden und ich bin schon gespannt welche Geheimnisse Benjamin so verbirgt. Rose und Julia kommen im 3. Band viel zu kurz, was ich besonders bei Rose schade fand, da man über das schweigsame Mädchen bisher noch gar nichts weiß.

Was sich jedoch seit dem 1. Band "Der Sturm" nichts geändert hat, ist die Tatsache, dass Robert für mich der faszinierendste Charakter ist. Er wirkt ausgesprochen facettenreich und ich fand ihn von Anfang an sehr interessant. Im Gegensatz zu einigen anderen Charakteren im Tal, besitzt Robert Tiefe und etwas Eigenes, was ihn besonders faszinierend macht. So bleibt zu hoffen, dass Robert bald endlich in den Mittelpunkt rückt!



Das Cover zu "Der Sturm" ist im gewohnten Stil gestaltet, wobei es diesmal orange gehalten ist. Obwohl das Aussehen der Reihe sehr schlicht ist, kann es mich doch immer wieder neu begeistern. Es wirkt nicht zu überladen und strahlt etwas Rätselhaftes aus, wodurch es ausgesprochen gut zum Inhalt passt. Zudem macht es sich im Buchregal neben den anderen Büchern wirklich gut und ist ein echter Blickfang.

Der Schreibstil ist wie schon in den vorherigen Bänden leicht verständlich und lässt sich dadurch sehr leicht und schnell zwischendurch lesen, wodurch es die perfekte Lektüre für eine Zug- oder Autofahrt ist. Trotz des schlichten Schreibstils schafft es Krystyna Kuhn mit wenigen Worten eine dichte und geheimnisvolle Atmosphäre zu erzeugen, die einen vollkommen in seinen Bann zieht.



"Der Sturm" konnte mich, trotz einiger Kritikpunkte, in seinen Bann ziehen und mich begeistert zurücklassen. Ich bin regelrecht durch das Buch geflogen und konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Viel zu sehr war ich mit der Frage beschäftigt was hinter den Geschehnissen während des Sturms steckt. Gleichzeitig rückt die dunkel Vergangenheit des Tals immer mehr in den Vordergrund und man merkt bereits, dass dort noch viele Geheimnisse lauern, die nur darauf warten gelüftet zu werden. Wären da nicht einige Charaktere, die einem regelrecht auf die Nerven fallen, würde der vollen Punktzahl nichts im Weg stehen. Doch gerade Debbie, Chris und Julia machen den Leser zu wütend, als das man darüber einfach hinweg sehen könnte. Ich würde mir wünschen, dass sich Krystyna Kuhn mehr auf die interessanten Charaktere in ihrer Geschichte konzentriert, denn dann wäre ich vollkommen glücklich, da ich an der Handlung in diesem Buch rein gar nichts auszusetzen habe. Ein großartiges Buch und eine spannende Reihe, die ich jedem nur empfehlen kann.

Chris schien, als ob sein Verstand aussetzte, als sei das Gesicht, das sich von außen an die Scheibe presste, nur eine Täuschung seines Gehirns. Ein Trugbild. Halluzination.
Wieder klopfte es. Laut und deutlich.
Eine Hand, die sich hob.
Sein Herz klopfte bis zum Hals.
Unmöglich.


FAZIT
Der nervenaufreibende 3. Teil der "Tal" Reihe fesselt den Leser von der ersten Seite an und lässt einen bis zum Ende nicht mehr los. Spannend, geheimnisvoll und gefährlich!

NOTE
8 / 9 Punkten

Mittwoch, 18. Januar 2012

Rezension: Die Auswahl - Cassia & Ky von Ally Condie



DIE AUSWAHL
- Cassia & Ky
Ally Condie


Verlag: Fischer
Seiten: 453
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3-8414-2119-7



Am liebsten würde ich ihr alles erzählen, aber ich kann nicht. Nicht jetzt. Ich bin zu zerbrechlich. Ich bin Glas gefangen, würde es aber am liebsten zerbrechen und tief durchatmen. Doch ich habe zu große Angst davor, dass es weh tun könnte.


Cassia ist 17 Jahre und es ist der wichtigste Tag ihres Lebens: Sie erfährt, wen sie mit 21 heiraten wird. Das System sucht für jeden, der sich entschließt zu heiraten, den perfekten Partner aus, den man mit 21 heiraten wird. Wer sich gegen eine Hochzeit entscheidet, muss sein Leben lang mit dieser Entscheidung leben. Als jedoch auf dem Paarungsbankett verkündet wird, welchen Partner das System für Cassia ausgesucht hat, sind alle von dem Ergebnis überrascht: Xander, Cassias besten Freund.

Als sich Cassia jedoch zu Hause Xanders Daten auf dem feierlich überreichten Microchip ansehen will, ist sie geschockt: es taucht das Bild eines anderen Jungen auf. Und auch ihn kennt Cassia nur zu gut. Das System tut es als technischen Defekt ab, doch was steckt tatsächlich dahinter? Cassia beginnt an dem System zu zweifeln, dass das Leben jedes Einzelnen von der Geburt bis zum Tod kontrolliert und schließlich muss sie sich fragen, ob das System wirklich entscheiden kann, wen sie lieben soll.



Nachdem mich "Die Tribute von Panem" in ein absolutes Dystopie Fieber versetzt haben, war ich auf der Suche nach neuen Büchern, die dieses Thema behandeln und am besten noch mit dem Werk von Suzanne Collins mithalten können. Ally Condie hat mit "Die Auswahl" weit mehr geschafft. Denn es schließt sich nicht einfach dem neuen Hype an, sondern ist wirklich ein ganz besonderes, eigenständiges Werk. Schon nach der ersten Seite war ich in der scheinbar perfekten Welt gefangen und habe gemeinsam mit Cassia erkundet was hinter dieser Fassade steckt. Die Entdeckungen haben mich gleichermaßen schockiert, wie auch begeistert. Viel zu schnell hatte ich das Buch durch und kann nun sagen, dass man um "Die Auswahl" eindeutig nicht herumkommt, wenn man Dystopien mag. Es gab nicht wirklich etwas, das ich kritisieren konnte und allein die Tatsache, dass ich es danach am liebsten direkt noch mal gelesen hätte, macht den Auftakt zur "Cassia & Ky" Serie absolut empfehlenswert.



"Die Auswahl" entführt den Leser in eine vollkommen neue Welt. Doch trotz dem aktuellen Dystopie Hype ist der Roman von Ally Condie glücklicherweise etwas ganz Neues. Zunächst findet man sich in einer scheinbar perfekten Welt wieder und muss erst mit der Zeit – zusammen mit Cassia – feststellen, dass die schöne Fassade eine grausame Gesellschaft verbirgt. Die Welt in der Cassia und Ky leben wurde sehr schön und detailreich von Ally Condie gestaltet. Nach und nach erfährt man mehr darüber und ist wirklich schockiert. Durch die drei Tabletten, die jeder Bewohner mit sich tragen muss, übt das System absolute Kontrolle aus. Das es von Gedichten, Liedern, Gemälden etc. gerade einmal 100 Stück gibt, erscheint regelrecht absurd und die Tatsache, dass nicht nur der Partner, sondern selbst der Tag des eigenen Todes vom System bestimmt wird, lässt einen schockiert zurück.

Ally Condie baut eine großartige Atmosphäre in "Die Auswahl" auf und lässt sich dabei viel Zeit, was mir besonders positiv aufgefallen ist. Es finden keine überstürzten Handlungen statt, da sich stattdessen alles langsam und glaubwürdig entwickelt. Dadurch wirkte für mich alles viel realistischer und man hatte als Leser das Gefühl selbst Teil dieser Welt zu sein. Auch die Charaktere machen eine glaubwürdige Veränderung durch, was man den ganzen Roman über deutlich merkt. Man kann immer nachvollziehen was hinter einer Handlung steckte und saß nicht kopfschüttelnd über dem Buch. Besonders begeistern konnte mich aber die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky. Ally Condie überstürzt nichts, wozu viele andere Autoren neigen, sondern lässt den beiden Zeit zueinander zu finden. Dadurch wachsen einem die beiden viel mehr ans Herz und man fiebert bis zu letzten Seite gespannt mit.

Sehr gelungen fand ich auch, dass man mit der Zeit immer mehr über die Vergangenheit der Welt von Cassia und Ky erfährt. Immer mehr Geheimnisse offenbaren sich, wodurch sich gleichzeitig aber auch neue Fragen ergeben und sehr viel Spannung erzeugt wird. Besonders das gelungene Ende konnte mich begeistern und macht zugleich unglaublich neugierig auf die Fortsetzung. Ally Condie's Roman zeichnet sich durch sehr glaubhafte Entwicklungen aus und überzeugt den Leser mit einem spannenden Plot und wunderbaren Charakteren, die einem einfach ans Herz wachsen müssen.



Wirklich begeistern konnte mich Ally Condie mit ihrer großartigen Heldin. Oftmals habe ich das Problem, dass ich mit der weiblichen Hauptfigur in einem Roman nicht wirklich warm werden will. Entweder sind sie zu weinerlich und müssen ständig von jemanden gerettet werden oder sie sind das genaue Gegenteil und kommen dabei zutiefst unsympathisch herüber. Cassia jedoch ist endlich mal wieder eine sympathische und liebenswerte Heldin, die einem direkt ans Herz wächst. Sie macht eine unglaublich große Entwicklung in "Die Auswahl" durch, aber glücklicherweise bleibt sie dabei die ganze Zeit über glaubwürdig. Dies liegt vor allem daran, dass sich Cassia nicht von einem Tag auf den anderen verändert, sondern erst nach und nach anfängt die Welt, in der sie lebt, zu hinterfragen. Ich konnte ihre Handlungen von Anfang an gut nachvollziehen und konnte so die ganze Zeit mit ihr mitfiebern und mich in sie hineinversetzen.

Bei einer großartigen Heldin hört es jedoch nicht auf, denn Ally Condie kann direkt mit zwei jungen Männern überzeugen, zwischen denen man sich als Leserin kaum entscheiden kann. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, doch im Gegensatz zu anderen Büchern, kann man sich in diesem Fall wirklich nicht entscheiden wen man besser finden soll, da beide auf ihre Art etwas besonderes sind. Ky wirkt zunächst wie der typische, düstere Bad Boy, jedoch beweißt er schnell sehr viel Tiefe und überzeugt als sehr facettenreicher Charakter. Ally Condie hat ihn wunderbar ausgearbeitet und nicht nur seine interessante Vorgeschichte zieht einen vollkommen in den Bann. Auf mich wirkte Ky von Anfang an sehr authentisch, wodurch man ihn direkt sympathisch findet.

Doch auch Xander überzeugt den Leser von Anfang an durch seine sympathische und liebenswerte Art, wodurch es einem nahezu unmöglich ist ihn nicht direkt ins Herz zu schließen. Mich konnte vor allem seine humorvolle und fürsorgliche Seite überzeugen, die mich immer wieder zum lächeln gebracht hat. Im Gegensatz zu anderen Büchern steht Xander nicht im Schatten des düsteren Helden, sondern kann locker mit Ky mithalten. Wie die anderen Charaktere in "Die Auswahl" durchlebt auch Xander eine deutliche Entwicklung, die ihn noch authentischer wirken lässt. Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit Ky und Xander und bin wirklich gespannt darauf, wie sich die beiden weiter entwickeln. Und obwohl ich bereits einen Favoriten für Cassia habe, kann ich noch nicht sagen, wer mir persönlich besser gefällt, sodass abzuwarten bleibt, ob sich dies im zweiten Teil bereits ändert.

Wer nun annimmt, dass nur die drei Hauptcharaktere überzeugen können, liegt vollkommen falsch. Denn "Die Auswahl" bietet einen Nebencharakter, den ich sehr schnell lieb gewonnen habe und der durchaus der kleine Held der Geschichte war. Die Rede ist von Bram, dem kleinen Bruder von Cassia. Ich habe selten einen Charakter kennengelernt, der so liebenswert rüberkommt. Er sorgt für sehr viele Lacher, aber gleichzeitig auch für mindestens ebenso viele rührende Momente und ich kann mir schwer vorstellen, dass es jemanden gibt, der Bram nicht direkt ins Herz geschlossen hat. Ansonsten gibt es jedoch eher wenige Nebencharaktere, da sich Ally Condie eindeutig mehr auf die Helden ihrer Geschichte: Cassia, Ky und Xander konzentriert.



Das Cover ist ohne Frage ein echter Blickfang und unglaublich schön aufgemacht. Die Farben sind perfekt gewählt und auch das Motiv selbst zieht einen richtig in seinen Bann. Zudem passt es natürlich hervorragend zur Handlung und verdeutlicht die Situation in der sich Cassia befindet. Selbst ohne den Schutzumschlug kommt man nicht umher "Die Auswahl" zu bewundern. Auch beim lesen selbst fällt einem die Liebe zum Detail auf, da sich zum Anfang jedes Kapitels und zwischen den einzelnen Absätzen kleine Zeichnungen finden.

Noch mehr begeistern konnte mich jedoch der Schreibstil von Ally Condie. Die Autorin konnte mich damit von Anfang an begeistern und ich habe immer wieder Stellen gefunden, die ich am liebsten rausgeschrieben hätte, um sie allen vorzulesen, weil sie einfach so großartig waren. Ally Condie schafft es sehr viel Atmosphäre durch ihren eindrucksvollen Schreibstil zu vermitteln, wodurch man bis zum Ende vollkommen von dem Buch gefesselt ist und selber in die scheinbar perfekte Welt hinabtaucht.



"Die Auswahl" ist ein großartiger Auftakt zu einer Serie, die mich von der ersten Seite an verzaubert hat. Ally Condie hat einen wunderschönen und sehr bildlichen Schreibstil, wodurch die Handlung regelrecht lebendig wird und man das Gefühl hat selbst mitten in der Geschichte zu stecken. Cassia ist endlich mal wieder eine Heldin, die ich sofort mochte und mit der ich bis zum letzten Kapitel mitgefiebert habe. Doch auch die anderen Protagonisten sind wunderbar gezeichnet und vor allem Ky und Xander haben es mir angetan, sodass ich es kaum erwarten kann mehr von ihnen zu lesen. Statt einer überstürzten Liebesgeschichte, wie man sie in so vielen Büchern findet, entwickeln sich die Gefühle von Cassia und Ky langsam und realistisch. Die Geschichte der beiden hat mich unglaublich mitgerissen und mich zum Ende hin sogar zu Tränen gerührt. Ally Condie hat ein wunderbares Buch geschrieben, das ich jedem nur ans Herz legen kann.

"Und wie sind sie jetzt?", fragt er. Er weitet seine Augen noch ein bisschen mehr, beugt sich zu mir und lässt mich in seine Augen schauen – so lange und so tief ich möchte.
Und es ist so viel zu sehen in seinen Augen. Sie sind blau und schwarz und auch noch andersfarbig, und ich weiß manches, was sie gesehen haben, und anderes, wovon ich hoffe, dass es jetzt sehen. Mich. Cassia. Was ich empfinde, wer ich bin.
"Und?", fragt Ky.
"Alles", antworte ich ihm. "Sie sind alles."


FAZIT
Einzigartige Charaktere, eine spannende Handlung und ein wunderschöner, poetischer Schreibstil machen "Die Auswahl" zu einem Leseereignis, das man nicht verpassen darf.

NOTE
9 / 9 Punkten


Vielen Dank an Fischer Schatzinsel für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Dienstag, 17. Januar 2012

[Challenge] I'm in English Reloaded

Eigentlich hatte ich vor dieses Jahr bei keiner Challenge mitzumachen, aber um eine bin ich dann doch nicht rumgekommen: Die I'm in …English reloaded Challenge von Nina und Katrin.
Mittlerweile liegen so viele englische Bücher auf meinem SuB, dass ich endlich mal daran arbeiten muss …schließlich stehen nicht gerade wenige auf meiner Wunschliste. Und da ich mir sowieso vorgenommen habe mehr Bücher auf englisch zu lesen, ist das hier die perfekte Chance.

Die Regeln:
In jedem Monat muss mindestens ein Buch in englischer Sprache gelesen werden – ob es sich dabei um die Originalsprache des Buches handelt ist unerheblich. Damit sich ein positiver Effekt mit der regelmäßigen Sprachpraxis verbindet, muss für jedes Mal, wenn in einem Monat KEIN englisches Buch gelesen wird, ein weiteres englisches Buch gelesen werden – im schlimmsten Fall also ein Lesemarathon von 24 Büchern im Dezember 2012.
Um ausreichende Kenntnisse über das Buch nachzuweisen, soll jeweils eine Rezension verfasst werden, die aber auch – im Gegensatz zur Lektüre – in einem anderen Monat verfasst werden darf, also mindestens 12 Rezensionen bis 31.12.2012.

Die Leseliste
Januar Pretty Little Liars – Sara Shepard
Februar Divergent – Veronica Roth
März Timeless – Alexandra Monir
April The Iron King – Julie Kagawa
Mai Clockwork Prince – Cassandra Clare
Juni Last Night at Chateau Marmont – Lauren Weisberger
Juli Nick & Norah's Infinite Playlist – Rachel Cohn & David Levithan
August Delirium – Lauren Oliver
September Peter Pan – J.M. Barrie
Oktober The Forbidden Game – L.J. Smith
November Fallen – Lauren Kate
Dezember Evermore – Alyson Noel

Montag, 16. Januar 2012

Neues Jahr, Neues Glück

In den letzten Monaten ist es auf book.romance extrem ruhig geworden, doch das soll sich nun ändern. Etwas über vier Monate ist hier alles zum kompletten Stillstand gekommen und es tut mir Leid, dass ich ohne jede Vorwarnung verschwunden bin. Aber die Pause war mehr als nötig! Ich muss zugeben, dass ich vom lesen und ganz besonders vom bloggen einfach genug hatte. Das hat mehrere Gründe, die jedoch meiner Meinung nach nicht hierhin gehören.

Die Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, lassen sich an einer Hand abzählen. Das schockiert mich selbst ein wenig, aber manchmal ist wohl einfach eine Pause nötig. Mittlerweile ist die Lust zum lesen aber glücklicherweise zurückgekehrt und passend dazu will ich es auch noch mal mit dem bloggen versuchen. Ich gebe dem Projekt "book.romance" noch mal eine Chance, um zu sehen, ob es sich noch lohnt oder ob ich das Kapitel endgültig abschließen sollte.

Teilweise lag meine fehlende Motivation zum lesen sicherlich darin, dass ich mir selbst zuviel Druck gemacht habe. Den Fehler will ich nicht noch mal machen und daher will ich diesmal darauf achten, dass ich nur für mich lese und auch nur für mich diesen Blog führe. Wenn andere Blogs mehr hermachen und andere Blogger mehr lesen als ich und bessere Rezensionen schreiben, dann lässt sich daran nichts ändern. Ich schaffe es einfach nicht jeden zweiten Tag mit neuen Rezensionen und Beiträgen aufzutauchen und ich will mir auch gar nicht den Druck machen.

Ich will mich erstmal wieder langsam ans bloggen herantasten und mich daher zunächst hauptsächlich auf Rezensionen konzentrieren. Dadurch dauert es vielleicht mal länger bis neue Beiträge kommen, aber meiner Meinung nach ist es vorerst die richtige Entscheidung. Es kann zwar sein, dass davon abgesehen auch mal der ein oder andere Beitrag kommt, aber das geschieht dann wirklich nach Lust und Laune. Meine monatlichen Statistiken habe ich komplett abgeschafft. Es gibt jetzt eine Unterseite mit den gelesenen Büchern und das soll vorerst reichen. Meine Neuzugänge gibt es vorerst – wenn überhaupt – nur noch monatlich (es sind sowieso zu wenig, um jede Woche einen Post hinzubekommen) und was sonstige Beiträge angeht, wird sich das dann zeigen.


Mir liegt sehr viel an "book.romance" und daher hoffe ich, dass der zweite Versuch nicht schief geht. Es hat sich in den letzten Monaten viel bei mir getan, aber trotzdem fehlt es mir mich mit euch über Bücher auszutauschen. Einige von euch haben vielleicht mitbekommen, dass ich letztes Jahr mein Abitur gemacht habe und mittlerweile bin ich tatsächlich Studentin. Als wäre das nicht genug Neues, musste ich für's Studium aber auch noch umziehen und lebe jetzt seit Oktober in Bonn. Ausziehen war eigentlich gar nicht geplant, aber so spielt das Leben. Diese ganzen Änderung sind aber zum Glück alle positiv. Ich habe mich wunderbar in Bonn eingelebt, habe großartige Leute kennengelernt und habe hier eine tolle Zeit. Trotzdem hab ich aber – wie gesagt – in den letzten Wochen gemerkt, dass mir lesen und bloggen fehlt und daher hoffe ich, dass es mir gelingt meinem Blog wieder ein wenig Leben einzuhauchen :)