
ARTHUR UND DER BOTSCHAFTER DER SCHATTEN
Gerd Ruebenstrunk
Verlag: ArsEdition
Seiten: 410
Preis: 16, 95 Euro
ISBN: 978-3-7607-5190-0
Ein Jahr ist es her, dass Arthur und Larissa den Spuren der vergessenen Bücher gefolgt sind, die sie nach Amsterdam und Bologna geführt haben, wo die beiden ungleichen Freunde unfassbare Abenteuer erlebt haben. Die eingekehrte Ruhe findet jedoch ein schnelles Ende, als eines Tages der mysteriöse Pontius Pluribus erneut vor Arthur steht. Diesem ist schnell klar, dass die Vergessenen Bücher erneut in Gefahr sind, die diesmal vielleicht noch größer ist, als das letzte Mal. Gleichzeitig erhält Larissa eine geheimnisvolle Nachricht, die in ihr Hoffnungen weckt, dass ihre verschollenen Eltern vielleicht doch noch leben. Eine Antwort darauf wird ihr von einem seltsamen Schattenwesen versprochen, das jedoch eine Bedingung stellt: Larissa muss das "Buch der Wege" finden und ihm übergeben.
Das verzweifelte Mädchen ist bereit alles zu tun, um einen Hinweis auf ihre Eltern zu erhalten, sodass sie die Absichten des rätselhaften Wesens nicht einmal in Frage stellt. Um Larissa zu helfen und um zu verhindern, dass sie irgendwelche dummen Dinge tut, die sie später bereuen würde, erklärt sich Arthur bereit Larissa zu begleiten. So stürzen sich die beiden Freunde in ein neues Abenteuer, das sie neuen Gefahren aussetzt. Dabei muss Arthur feststellen, dass die Macht der Vergessenen Bücher viel weiter reicht, als er es sich je zu träumen gewagt hat. In Córdoba und Dubrovnik finden sie mehr über die Vergangenheit der Bücher heraus und müssen sich neuen Feinden stellen, wobei sie jedoch auch wieder neue Verbündete finden, von denen einige ebenso rätselhaft sind, wie die Bücher, deren Spur sie folgen.
Das Abenteuer rund um Arthur, Larissa und die Vergessenen Bücher geht weiter und führt den Leser wieder einmal auf eine unglaubliche Reise. Die Spannung steigt bereits auf den ersten Seiten und Gerd Ruebenstrunk schafft es glücklicherweise sie bis zum Ende hoch zu halten, sodass beim Leser erst gar keine Langeweile aufkommt. Besonders begeistert mich, dass die Reihe um die Vergessenen Bücher keinesfalls nur für jüngere Leser geeignet ist, sondern eindeutig von allen Altersklassen gelesen werden kann. Es ist ein Spaß für die ganze Familie und gehört daher unbedingt ins Bücherregal. Man erfährt auf der Reise sehr viel über die einzelnen Orte, ohne das man dabei jedoch das Gefühl hat im Unterricht zu sitzen. Zudem sind die Charaktere sehr liebevoll gezeichnet und man kann gar nicht anders, als mit ihnen mitzufiebern. Gerd Ruebenstrunk hat sich eine wunderbare Geschichte ausgedacht, die mit neuen Ideen punktet und den Leser begeistert zurück lässt.
Der Prolog bietet einen besonders gelungen Einstieg in die Geschichte rund um Arthur und den Botschafter der Schatten. Man ist direkt mitten im Geschehen und Gerd Ruebenstrunk schafft es bereits die ersten Seiten unglaublich spannend zu gestaltet. Der Prolog bietet einen Blick in die Vergangenheit und obwohl es nur ein paar Seiten sind, hat man fast das Gefühl in einem kleinen Thriller zu stecken. Wie schon in "Arthur und die Vergessenen Bücher" ist der Titelheld zugleich auch der Erzähler, aus dessen Sicht die Geschichte geschildert wird. Man kann sich sehr gut in den jungen Abenteurer hineinversetzen, sodass er als einziger Erzähler auch vollkommen ausreicht. Besonders froh bin darüber, dass Larissa nicht als Erzählerin auftritt. Wenn man sie mag, wäre es sicherlich eine Bereicherung, aber für mich wäre das gar nicht gegangen. Und obwohl es sicherlich recht interessant wäre mehr aus der Sicht einiger Nebencharaktere mitzuerleben, reicht mir die Sichtweise von Arthur doch vollkommen aus.
Die ersten Kapitel in "Arthur und der Botschafter der Schatten" dienen als leichter Einstieg in die Geschichte. Man trifft auf alte Bekannte, die Spannung wird langsam aufgebaut und man bekommt einen kleinen Ausblick darauf, was einem im Laufe des Buches erwartet. Schon nach kurzer Zeit begeben sich Arthur und Larissa dann auch schon wieder auf die Reise und der Leser kann sich auf die erste, fremde Stadt freuen: Córdoba. Kaum in der spanischen Stadt angekommen wird die Spannung bereits sehr hochgetrieben und bevor man sich versieht, befindet man sich erneut auf der Flucht und wird von neuen Feinden gejagt. Trotz der spannenden Handlung findet Gerd Ruebenstrunk die Zeit immer wieder Informationen über die jeweilige Stadt, in der sich seine Helden befinden, mit einzubringen. Was mir besonders gut gefällt ist, dass sich diese Informationen keinesfalls aufdrängen, sondern immer mal wieder mit eingewoben werden und man somit Neues lernt, ohne es wirklich zu bemerken. So bekommt man nicht nur allgemeine Informationen über die Städte, sondern auch einen kleinen Einblick in die Vergangenheit.
Nach Córdoba führt die Reise nach Kroatien, um genauer zu sein nach Dubrovnik. Dieser Teil ist meiner Meinung nach noch gelungener als der Anfang, da die Handlung nicht nur spannender, sondern auch wesentlich unterhaltsamer ist. Es kommt zum Kampf gegen einen gefährlichen Gegner, der einen fast das atmen vergessen lässt und auch das Ende des Buches selbst spielt in der außergewöhnlichen Stadt. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte die Handlung in Dubrovnik gerne einen noch größeren Teil einnehmen können. Das einzige was man eventuell als kleinen Kritikpunkt anführen könnte, ist dass es stellenweise schon ein wenig unrealistisch erscheint, dass sich Arthur und Larissa ganz alleine auf so eine Weltreise begeben. Ich hab dies schon in meiner Rezension zum ersten Buch angeführt und bin froh, dass die beiden Freunde nun immerhin ein wenig älter sind, sodass es nicht mehr ganz so unrealistisch erscheint. Zudem würde ich mir wünschen, dass sie nicht jedem Ärger sofort auch wieder entkommen.
Arthur macht im zweiten Band der Reihe um die Vergessenen Bücher eine große Entwicklung durch und erscheint stellenweise wesentlich erwachsener, als er eigentlich ist. Gerd Ruebenstrunk hat mit Arthur einen sehr liebenswerten und sympathischen Charakter erschaffen, der dem Leser direkt ans Herz wächst. Der junge Held zeichnet sich besonders durch seine innere Stärke und Gelassenheit aus. Er weiß ganz genau was er will und vertritt eisern seine Ansichten. Zudem schafft er es Larissas Launen kommentarlos zu ertragen, wofür er meiner Meinung nach fast schon eine Auszeichnung verdient. Arthur ist ausgesprochen klug und einfallsreich, was sich vor allem in den vielen gefährlichen Situationen zeigt, in denen er stets einen kühlen Kopf bewahrt. Vor allem jüngeren Lesern kann Arthur als gutes Vorbild dienen, während Leser aller Altersklassen ihm mit viel Vergnügen auf seinem Abenteuer begleiten.
Neben Arthur gibt es jedoch auch noch eine weibliche Hauptfigur und wer meine Rezension zu "Arthur und die Vergessenen Bücher" kennt, weiß dass ich so meine Probleme mit Larissa hatte. Daran hat sich auch in der Fortsetzung leider nicht sonderlich viel geändert. Das junge Mädchen muss in diesem Band viel durchmachen und sich mit dem Verlust ihrer Eltern auseinandersetzen. Das rechtfertigt jedoch, wie ich finde, ihr Verhalten kein Stück und so habe ich die ganze Zeit über vergebens versucht ihr Handeln nachzuvollziehen. Sie benimmt sich außerordentlich kindisch und nervig, womit sie das komplette Gegenteil zu Arthur ist. Diesem widerspricht sie zudem am laufenden Band und mit der Zeit hat man das Gefühl, dass sie nur aus Trotz immer anderer Meinung ist. Ich bin gespannt auf ihre Entwicklung im Abschluss der Trilogie und hoffe, dass ich dann endlich warm mit ihr werde.
In "Arthur und der Botschafter der Schatten" betreten wieder einige Nebencharaktere die Bühne, welche allesamt nicht unwichtig für den Verlauf der Handlung sind. Und wie schon im vorherigen Buch hat es mir hier einer dieser Figuren besonders angetan: Pomet. Er hat mich ein wenig an Gerit aus dem 1. Band erinnert und wenngleich Pomet nicht mit ihm mithalten konnte, fand ich ihn doch sehr unterhaltsam und sympathisch. Man erfährt im Verlauf der Handlung nur sehr wenig über ihn, aber gerade dadurch wirkt er besonders geheimnisvoll und wächst dem Leser zwangsläufig ans Herz.
Es gibt natürlich noch weitere Nebencharaktere, die jedoch nicht ganz so eine große Rolle bekommen, wie Pomet. Doch ob es nun der Maure, Torres oder Markovíc ist, eins haben sie alle gemeinsam: sie haben etwas sehr individuelles an sich, wodurch sie trotz weniger Auftritte authentisch erscheinen. Sie wirken lebendig und habe etwas eigenes: einige sind liebenswert, andere wiederum geheimnisvoll und gefährlich und andere humorvoll. Mit seinen Charakteren hat mich Gerd Ruebenstrunk wirklich begeistern können und ich würde mich freuen den ein oder anderen im Abschluss der Reihe wiederzusehen.
Im Gegensatz zum ersten Buch finden sich in "Arthur und der Botschafter der Schatten" zwei Landkarten zu den jeweiligen Handlungsorten: eine Karte zu Córdoba und eine zu Dubrovnik. Diese sind zum einen sehr schön gezeichnet und dienen gleichzeitig als große Hilfe. Ich bin ja sowieso ein großer Fan von Karten und fand es sehr schön, dass man nun auch bei den "Arthur" Büchern genau verfolgen konnte, welchem Weg die Charaktere folgen und wo ihre eigentlichen Zielorte genau liegen. Die Gestaltung des Buches ist wieder einwandfrei. Diesmal ist das Cover in einem sehr schönen blauen Farbton gestaltet und es lässt sich nicht abstreiten, dass die Reihe um die "vergessenen Bücher" ein echter Blickfang ist.
"Arthur und der Botschafter der Schatten" ist eine gelungene Fortsetzung, die einen auf eine abenteuerliche Reise in fremde Städte mitnimmt und dabei gleichermaßen unterhaltsam und lehrreich ist. Besonders schön finde ich, dass Bücher der zentrale Mittelpunkt in der Reihe sind, da mir so was immer gut gefällt, bestes Beispiel ist dafür wohl die "Tintenwelt" Trilogie von Cornelia Funke. Einen weiteren Pluspunkt gibt es zudem noch, weil die Reihe für alle Altersklassen geeignet ist. Obwohl das Zielpublikum Kinder und Jugendliche sind, können auch Erwachsene zu den Büchern greifen. Die Charaktere sind wie schon im ersten Band durch die Reihe sehr interessant und vielfältig. Der Titelheld hat mich von Anfang an begeistert und lässt einen über die anstrengende Heldin der Reihe hinwegsehen. Auch die Nebencharaktere ziehen mich regelmäßig in ihren Bann. "Arthur und der Botschafter der Schatten" leistet so gute Unterhaltung, dass man es kaum zur Seite legen kann und es leider viel zu schnell durch hat. Ich freue mich schon auf den Abschluss der Reihe und möchte allen Buchliebhabern, die Arthur noch nicht kennen, das Buch ans Herz legen.
FAZIT
Das zweite Abenteuer eines jungen Helden, der mich wieder einmal verzaubert hat und auf eine großartige Reise mitgenommen hat.
NOTE
8 / 9 Punkten
Vielen Dank an ArsEdition für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!



