Ein Jahr in London
- Reise in den Alltag
Anna Regeniter
Verlag: Herder
Seiten: 192
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 978-3-451-05741-0
Cool Britannia! Anna Regeniter hat es einfach getan: Sie ist in die schillerndste, aufregendste und kreativste Stadt Europas gezogen – dorthin wo die Musik spielt. Wie ist der Alltag? Wie findet man einen Job? Wo verabredet man sich zu einem Date? Was bestellt man wann in einem Pub – und wie?
In diesem Buch erzählt sie mit – englischem! – Humor vom verrückten Wohnungsmarkt, von ihrem komischen Alltag als Deutschlehrerin, vom traditionellen englischen Weihnachtsessen, vom Shoppen und von den unzähligen Einwanderern. Und natürlich davon, wie es ist, seinen Lieblingssänger in einer Bar um die Ecke zu treffen. Amazing!
London. Diese Stadt hat es mir schon angetan seit ich denken kann. Wenn man meine Eltern fragen würde, könnten sie bestätigen, dass ich seit meiner frühen Jugend davon rede irgendwann mal nach London auszuwandern. So hat es mich direkt zu "Ein Jahr in London" gezogen, als ich gelesen habe warum es ging und einen kurzen Blick in das Buch geworfen hab. Reiseberichte fallen, wie ich finde, viel zu oft unglaublich trocken, langweilig und zu sachlich aus. Anna Regeniter hingegen erzählt voller Charme und Witz von ihren Erfahrungen, die sie in der Hauptstadt Englands gemacht hat. Das Buch lässt sich unglaublich gut lesen und ist leider viel zu schnell zu Ende. Wäre es nach mir gegangen hätte das Buch gerne doppelt so dick ausfallen können und ich wäre immer noch gefesselt gewesen. Für jeden der England mag und sich ebenfalls in London verliebt hat, ist dieses Buch also ein Must-Have!
"Ein Jahr in London" ist in 12 Kapiteln unterteilt, passend zu der Anzahl der Monate in einem Jahr. Beginnend im August endet die Geschichte somit im Juli. Die Grundidee jedem Monat ein Kapitel zu geben finde ich soweit wirklich gut, da die Geschichte schließlich – wie der Titel schon sagt – nur ein Jahr behandelt. Ein absoluter Pluspunkt ist die Tatsache, dass jedes einzelne Kapitel nur so dahin fliegt und man viel zu schnell am Ende ist. Wäre es nach mir gegangen hätten die einzelnen Monate gerne mehr Seiten bekommen können und das Buch im Allgemeinen dicker ausfüllen dürfen. Wenn man sich anschaut, dass "Ein Jahr in London" nur 192 Seiten hat, wird schnell klar, dass der Inhalt da natürlich ein wenig drunter leidet. Das soll nun keinesfalls ein Kritikpunkt an der Geschichte von Anna Regeniter sein. Ich fand es nur schade, dass man nicht noch mehr über ihr Leben in London erfahren konnte. Wenn man in ein fremdes Land auswandert dürfte sich schließlich viel mehr Stoff bieten.
Anna Regeniter schafft es den Leser mit ihrem wunderbaren Schreibstil an das Buch zu fesseln und hat in mir direkt die Sehnsucht nach London geweckt. Am liebsten hätte ich sofort meine Koffer gepackt, um mich auf den Weg in meine Lieblingsstadt zu machen. Selbstverständlich bietet nicht nur das Abenteuer Auswandern an sich viel Gesprächsstoff, sondern auch das neue Land mitsamt seinen Bewohnern und Traditionen. Und man merkt schon nach wenigen Seiten, dass England davon besonders viel zu bieten hat. Positiv aufgefallen ist mir, dass die Autorin das Land und die Leute sehr realistisch darstellt. Ich war selbst schon mehrere Male in England und habe die Briten größtenteils so kennengelernt wie Anna Regeniter sie beschreibt. Das Völkchen von der Insel hat seine Eigenarten und ist schon etwas ganz besonderes und das merkt man ihrem Bericht an. Doch sie schafft es auch die einzigartige Mentalität einzufangen, die es einem einfach unmöglich macht die Engländer nicht zu mögen.
Logischerweise ist – besonders zum Anfang der Geschichte – die Eingewöhnungsphase ein großes Thema der Geschichte. So ist man hautnah dabei, wenn Anna ihre erste Wohnung sucht oder zum ersten Mal in England einkaufen geht. Man merkt schnell, dass es viele Unterschiede zu Deutschland gibt und es ist interessant einen Blick in diese fremde Welt zu werfen. Auch ihre Jobsuche und die täglichen Abenteuer während der Arbeit bleiben dem Leser nicht vorenthalten und sogar immer wieder für lustige Momente, die die Geschichte auflockern und dem Buch einen ganz besonderen Charme geben. Trotz allem redet die Autorin in ihrem Buch nichts schön, sondern berichtet realitätsnah von ihren Erlebnissen. Schließlich gehören Pannen und Niederlagen ebenso zum Auswandern wie die schönen Momente, wovon es natürlich auch mehr als genug gibt.
Neues Land, neue Sitten. So sagt man gern und auch in "Ein Jahr in London" bekommt man davon viel zu spüren. Anna Regeniter nimmt sich Zeit immer Mal wieder auf die Eigenartigen, Traditionen und Sitten in England einzugehen, sodass man durchaus etwas aus der Geschichte mitnehmen kann. Sei es nun die einzigartige Beziehung der Engländer zu ihren Pubs und dem Fußball, Feiertagen wie Weihnachten oder Valentinstag oder die Einstellung der Engländer bei der Arbeit und in der Freizeit. Erstaunlicherweise erfährt man unglaublich viel, obwohl das Buch nicht wirklich dick ist. Die Autorin nimmt sich Zeit auf alle möglichen Aspekte einzugehen, was das Buch wirklich lesenswert macht.
In "Ein Jahr in London" berichtet Anna Regeniter aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen in London. Dabei zögert sie nicht von all den Fettnäpfchen zu berichten, die ihr in dem fremden Land zugestoßen sind. Der Leser ist somit gewarnt und weiß Bescheid, dass man ganz genau aufpassen sollte was man im Pub bestellt. Denn 'a pint of Baileys' zu bestellen kann doch sehr schnell nach hinten losgehen. Im ganzen Buch kommt es immer wieder zu sehr lustigen Szenen, seien es nun die Pannen in der ersten eigenen Wohnung in London oder die Schwierigkeiten im englischen Straßenverkehrt. Selbst der vermeidlich harmlose Gang zum Supermarkt kann die ein oder andere Überraschung parat halten, denn in der angesagten Gegend Primrose Hill kann man schnell mal dem ein oder anderen Promi über den Weg laufen und sogar Jude Law selbst gegenüberstehen. So wird 'Celeb Spotting' schnell zum Wettbewerb zwischen Anna und ihrer Nachbarin.
Als Leserin schließt man die sympathische Erzählerin sehr schnell ins Herz. Ihre ganze Einstellung und liebenswerte Art macht "Ein Jahr in London" zu einem Lesespaß. Mir hat es gut gefallen, dass sie nichts beschönigt oder weglässt, sondern wirklich hautnah von ihrem Abenteuer berichtet. Gleichzeitig lernt man natürlich auch viel über London selbst kennen. Wenn man selber schon einmal in London war ist es besonders schön ihre Erlebnisse zu verfolgen, da man so die Orte schon mit eigenen Augen gesehen hat und nun alles aus einem anderen Blickwinkel erleben kann. Gleichzeitig findet man auch Anregungen, wo man bei seinem nächsten London Besuch mal vorbeischauen könnte, da sich fiele Highlights während eines Urlaubs gar nicht entdecken und erkunden lassen.
Anna Regeniter hat in ihrem ersten Jahr in London viele verschiedene Menschen kennengelernt, die alle auf ihre Weise wohl ziemlich einzigartig sind und dem Buch viel Witz und weiteren Charme verleihen. Besonders angetan hat es mir Jake, der Barkeeper den Anna bei ihrem ersten Besuch im Pub kennenlernt. Er entspricht genau dem Bild, das man von jungen, britischen Männern hat und hat mich direkt an einen Mann aus London erinnert, den ich mal kennengelernt habe. Es gibt sicherlich unterschiedliche Meinungen darüber, ob britische Männer nun Top oder Flop sind, aber mir haben sie es schon immer angetan. Ich mag den Humor und die ganze Art der Engländer, sodass ich Jake auch direkt mochte und mich gefreut hätte, wenn man er noch öfter vorgekommen wäre.
Doch auch die anderen Personen, die sich in "Ein Jahr in London" die Ehre geben müssen sich nicht verstecken. Die anderen Bewohner des kleinen Hauses in dem Anna lebt hatten alle etwas eigenes und waren auf ihre Art so liebenswert und sympathisch, dass man sie einfach ins Herz schließen musste. Elli fand ich sehr sympathisch und sie und Anna haben sich wirklich gut ergänzt. Doch auch die vielen Briten, die nur kurz erwähnt werden haben das Buch unterhaltsam gemacht. Sei es nun der pakistanische Kioskbesitzer, der Anna auch nach mehreren Wochen direkt wieder erkennt oder Mr Iqbal, der launische Besitzer eines indischen Restaurants, der es besonders ernst nimmt wenn man nicht regelmäßig in seinen Laden kommt oder in fremden Restaurants essen geht. Anna Regeniter ist es gelungen die Vielfältigkeit der Bewohner von London in ihrem Buch einzufangen, was mich wirklich begeistert hat. England und seine Bewohner sind ohne Zweifel einzigartig!
Anna Regeniter schafft es mit viel Humor von ihrem ersten Jahr in England zu berichten, was auch eindeutig den Reiz von dem Buch ausmacht. Immer wieder musste ich über die Eigenarten der Engländer schmunzeln und die Pannen von Anna in ihrem neuen Land, mit der ganz anderen Kultur, haben mich regelmäßig zum lachen gebracht. Gleichzeitig schafft es die Autorin aber auch ihre Liebe zu dem Land und den Leuten perfekt rüberzubringen. Man merkt, dass sie es nicht bereut hat auszuwandern und dass sie England und London auf ihre Art liebt, wodurch man selber gar nicht anders kann als ähnlich zu empfinden. Obwohl "Ein Jahr in London" sehr humorvoll geschrieben ist, ist es doch auch informativ. Angenehm für den Lesegenuss ist, dass Anna Regeniter einen nicht mit Fakten erschlägt, sondern einfach immer wieder einiges gut in die Geschichte mit einbringt. Wer knallharte Fakten über London und seine Geschichte sucht ist mit dem Buch sicherlich falsch beraten, aber wer einen Einblick in das Leben eines Auswanderers bekommen möchte der sollte sich "Ein Jahr in London" nicht entgehen lassen!
"That's fucking great!", ruft er, wenn Arsenal London endlich ein Tor schießt. "I can't fucking believe it!", wenn der Gegner es tut.
"Kannst du nicht mal aufhören, ständig zu fluchen, es hängt mir allmählich zum Hals raus", beschwere ich mich dieses Mal.
"I never fucking do", sagt er und schaut mich verwirrt an.
FAZIT
God Save the Queen! "Ein Jahr in London" ist unterhaltsam, humorvoll und mitreißend. Ein Muss für jeden, der von der großartigen, britischen Stadt nicht genug bekommen kann.
NOTE
7,5 / 9 Punkten

Ohje, jetzt werde ich ganz hibbelig und will das Buch auch unbedingt lesen! Mir ging es da wie dir, ich bin auch schon seit meiner Jugendzeit in die Stadt verliebt. Permanent möchte ich da zwar nicht leben, weil es doch sehr, sehr hektisch zugeht, aber mehr als nur den kurzen Zeitraum eines Urlaubs möchte ich doch mal da verbringen.
AntwortenLöschenIch kann es dir nur empfehlen! Wenn du London - und England allgemein - auch so magst, dann wird es dir bestimmt gefallen.
LöschenJa klar, das ist sicherlich nicht für jeden etwas. Ich mag aber das hektische Großstadtleben, von daher würde ich mich bestimmt auch auf Dauer in London wohl fühlen.
Das ist eines meiner Lieblingsbücher :) War dieses Jahr in London und würde am liebsten gleich wieder hin!
AntwortenLöschenKann ich verstehen! Ich war dieses Jahr leider noch gar nicht in London, aber zu Weihnachten / Silvester ist es endlich wieder soweit und ich kann es kaum noch erwarten :)
LöschenHey, tolle Rezi...
AntwortenLöschenLondon ist sooo toll. Eine meiner Lieblingstädte :)
Wir starten auch gerade einen Bücherblog.
http://buchlabyrinth.blogspot.de/
Freuen uns sehr über Kommentare & Leser!
LG ;)