Verflucht
- Strange Angels
Lili St. CrowVerlag: Pan
Seiten: 380
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-426-28345-5
Aber dann begriff ich, was er meinte. Es entlockte mir sogar ein halb schmerzliches Lächeln, und das letzte bisschen Gänsehaut wich wohliger Wärme.
"Kein Problem, Dru. Das erste Mal ist gratis."Auf den ersten Blick erscheint Dru Anderson wie ein gewöhnliches Mädchen. Doch an ihr und ihrem Leben ist rein gar nichts normal. Zusammen mit ihrem Vater zieht sie von Stadt zu Stadt und ist dabei auf der Jagd nach paranormalen Wesen, von deren Existenz die meisten Menschen nicht einmal etwas ahnen. Doch in der neuen Stadt ist alles anders. Ihr Vater nimmt sie nicht mehr mit und weigert sich seiner Tochter Informationen darüber zu geben was für ein Wesen er jagt. Als er eines Tages nicht von der Jagd zurück kommt weiß Dru, dass etwas nicht stimmt. Doch selbst ihre schlimmsten Erwartungen werden von der Realität in den Schatten gestellt: ihr Vater wurde ermordet und als Zombie auf Dru gehetzt, um diese zu töten.
Fortan ist Dru auf der Flucht, ohne zu wissen wer ihr nach dem Leben trachtet. Ihr wird schnell klar, dass ihre Feinde vor nichts zurückschrecken. Unerwartete Hilfe bekommt sie von Graves, einem Jungen aus ihrer Schule, hinter dessen düsteren Fassade wesentlich mehr steckt, als man auf dem ersten Blick vermutet. Das Schicksal verknüpft die Wege der beiden, die gemeinsam herauszufinden versuchen, wer den Vater von Dru ermordet hat und nun die schrecklichsten Wesen auf die Jagd nach ihr schickt. Doch die beiden müssen herausfinden, dass sie der Wahrheit kaum gewachsen sind und auf der Suche nach Antworten muss Dru herausfinden, dass ihr gesamtes Leben auf einer Lüge aufbaut ist.
Nachdem ich mir die Inhaltsangabe zu "Verflucht" durchgelesen habe, konnte ich selber nicht sagen, ob das Buch wirklich etwas für mich wäre oder ob es vielleicht zu düster für meine Verhältnisse ausfallen würde. Glücklicherweise hat es mich dann doch so sehr gereizt, dass ich der Reihe eine Chance gegeben habe und meine Zweifel haben sich als unbegründet herausgestellt. Mich konnte der erste Teil der "Strange Angels" Reihe von der ersten Seite an wunderbar unterhalten. Es lässt sich jedoch nicht abstreiten, dass das Buch nicht nur sehr actionreich, sondern stellenweise auch relativ blutig ist. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund und beschreibt das Leben der jungen Jägerin sehr realistisch. Dru ist keine perfekte Heldin, die immer gut aussieht, was eindeutig mal was anderes ist und mich überzeugen konnte. "Verflucht" hat sicherlich seine Schwachstellen und ich würde nicht sagen, dass man den Auftaktband auf keinen Fall verpassen sollte, aber das Buch bietet Spannung, Action und Humor.
"Verflucht" lebt von der Spannung und Action, was auf jeder einzelnen Seite deutlich wird. Bereits im ersten Kapitel merkt der Leser, dass ihn keine fröhliche Geschichte erwartet. Lili St. Crow zögert nicht gleich am Anfang zu schocken und als plötzlich der Vater von Dru als Zombie in der Wohnung auftaucht und gegen seine Tochter kämpft, fragt man sich einen Moment lang was einen wohl als nächstes erwarten wird. Doch die Geschichte verliert danach keinesfalls an Tempo. Vielmehr geht es von einem verzweifelten, blutigen Kampf in den nächsten, was mich nach einiger Zeit ein wenig gestört hat. Im Grunde lässt sich die Handlung des ersten Teils der "Strange Angels" Reihe zusammen fassen, indem man sagt, dass Dru und teilweise auch Graves kämpfen müssen, danach auf der Flucht sind und sich erholen und danach alles wieder von vorne los geht. Das mag für einige sicherlich kein Kritikpunkt sein, aber mich hat es ein wenig gestört, weil die Handlung dadurch recht vorhersehbar war. Nach einem ruhigen Kapitel wusste ich immer, dass gleich wieder ein Feind auftauchen würde und so blieb der Überraschungsmoment aus.
Hinsichtlich der ruhigen Momente hat es mir besonders die Freundschaft zwischen Dru und Graves angetan, die sich langsam und dadurch sehr glaubwürdig entwickelt. Zunächst sind die beiden Fremden, die das Schicksal zusammengeführt hat, weil sie trotz unterschiedlicher Lebensweisen gar nicht so unterschiedlich sind. Ich fand es schön mitzuerleben, wie Dru langsam Vertrauen zu dem Jungen aufbaut und sich eine starke Loyalität zwischen ihnen entwickelt. Gestört hat mich lediglich das Graves trotz allem ein wenig blass blieb. Es hätte der Geschichte vielleicht gut getan, wenn man auch mal ein Kapitel aus seiner Sicht erlebt hätte. Dru steht als Erzählerin so deutlich im Mittelpunkt, dass man gelegentlich das Gefühl hat, dass die Autorin dabei ihre anderen Charaktere einfach vergisst. Der Plot rund um Graves hat mir jedoch wieder gut gefallen, da es unerwartet kam. Jedoch muss ich auch hier sagen, dass das für mich zu schnell abgehandelt wurde und ich es zu leicht fand, dass Graves sein Schicksal direkt akzeptiert.
Eine willkommene Abwechslung war das auftauchen von Christophe, der neue Wind in die Geschichte gebracht hat. Zunächst geht es dem Leser wie Dru und man weiß nicht wer der geheimnisvolle Junge ist und welche Rolle er in der Geschichte spielt. Ich fand es gut, dass er viele Antworten mit sich gebracht hat und der Handlung somit eine überraschende Wendung eingebracht hat. Plötzlich steht alles in einem anderen Licht da und es stellt sich heraus, dass Dru im Grunde gar nichts über sich und die Welt gegen die sie kämpft weiß. Ich hoffe die Autorin nimmt sich im zweiten Teil der "Strange Angels" Reihe Zeit, um mehr auf all das einzugehen.
Zum Ende der Geschichte kommt es noch mal zu einem finalen Kampf, der mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Trotzdem fand ich es schön, dass der Leser endlich den Drahtzieher von all dem Bösen kennenlernen konnte. Ich bin gespannt mehr über den Gegenspieler von Dru zu erfahren, da man bisher nur wenig über ihn erfahren hat. Das letzte Kapitel hat einem bereits einen Hinweis gegeben in welche Richtung sich die Geschichte weiterentwickeln wird und konnte mich auf jeden Fall neugierig machen. Ich hoffe zudem sehr auf ein Wiedersehen mit Cory und liege hoffentlich richtig in der Annahme, dass er noch eine etwas größere Rolle einnehmen wird.
Dru Anderson entspricht nicht gerade der typischen Heldin, aber gerade das hebt sie von anderen Protagonisten ab. Ich mag es nicht, wenn die Hauptfigur in wirklich jeder Situation aussieht wie ein Model, alles perfekt kann und dadurch absolut makellos erscheint. Das war in "Verflucht" nicht der Fall und so überzeugt Lili St. Crow den Leser mit einer authentischen und sehr menschlichen Heldin. Obwohl Dru damit wirklich bei mir punkten konnte, würde ich sie nicht als einen meiner absoluten Lieblingscharaktere bezeichnen, da ich alles in einem doch Schwierigkeiten hatte eine Bindung zu ihr aufzubauen. Zwar hab ich ihr Abenteuer gespannt verfolgt, aber ich konnte nicht unbedingt immer viel Mitgefühl für sie aufbringen. Was mich an Dru wirklich gestört hat war, dass sie sich stellenweise wie ein kleines Kind aufgeführt hat, immer Recht haben musste und naives Verhalten an den Tag gelegt hat, was überhaupt nicht zu ihr gepasst hat. Bisher stehe ich ihr mit gemischten Gefühlen gegenüber und ich bin gespannt auf ihre Entwicklung im zweiten Teil.
Ebenfalls sehr wichtig für die Geschichte ist Graves, der unscheinbare Junge aus Dru's Geschichtskurs. Zunächst rechnet man gar nicht damit, dass gerade er zu einer Hauptfigur wird und ähnlich wie Dru entspricht er nicht gerade dem was man erwarten würde. Er ist ein Einzelgänger, der sich gerne düster kleidet und zum Erstaunen aller Matheprofessor werden will. Dies ist jedoch längst nicht die einzige Überraschung die Graves für den Leser bereit hält. Man entdeckt immer wieder neue Facetten an ihm und ich muss zugeben, dass er mir wirklich ans Herz gewachsen ist. Vorallem sein Lieblingsspruch hat mich immer wieder zum lachen gebracht. Graves ist sehr loyal und steht Dru mutig zur Seite. Obwohl er sich in einer vollkommen neuen Welt wiederfindet, in der er ungeahnten Mächten gegenüber steht, zögert er nicht Dru zu helfen, selbst wenn sein eigenes Leben dabei in Gefahr ist. Die beiden ergeben ein zauberhaftes Duo, deren Freundschaft Lili St. Crow gelungen dargestellt hat.
Christophe kommt in "Verflucht" leider noch nicht so oft vor, aber es wird bereits deutlich, dass die Autorin für ihn eine größere Rolle vorgesehen hat. Man erfährt zunächst nicht wirklich viel und weiß anfangs nicht einmal was für ein Wesen er ist und auf welcher Seite er steht. Wenn gleich es darauf zwar einige Antworten gibt, bleibt seine Vergangenheit doch ein einziges Rätsel und so wirklich einschätzen kann man ihn noch nicht. Ich bin sehr gespannt darauf mehr über ihn zu erfahren und hoffe wirklich, dass er in "Verraten" öfter vorkommt und einige meiner Fragen geklärt werden. Trotzdem lässt sich bereits sagen, dass er mich von allen Charakteren bisher am meisten fasziniert hat.
Davon abgesehen gibt es nicht wirklich viele Charaktere, da sich Lili St. Crow in "Verflucht" zunächst nur auf die drei Hauptcharaktere konzentriert. Erwähnen muss ich jedoch noch kurz den Vater von Dru. Obwohl dieser wirklich nur einen kleinen Gastauftritt hat, ist er mir richtig ans Herz gewachsen, nicht zuletzt weil Dru immer wieder seine Stimme hört, die ihr Anweisungen gibt, wodurch er die ganze Zeit präsent ist. Ich finde es sehr schade, dass der Leser ihn nicht näher kennenlernen konnte und wünsche mir, dass man in den nächsten Büchern wenigstens mehr über seine Vergangenheit erfährt.
Wenn man über "Verraten" spricht, dann muss man einfach zwangsläufig auch auf das Cover zu sprechen kommen. Obwohl ich mittlerweile eigentlich genug davon habe, dass mir von jedem Buchcover das Gesicht eines Mädchens entgegen springt, muss ich zugeben, dass es mir die Umschlagsgestaltung von "Verraten" wirklich angetan hat. Es sieht einfach wunderschön und richtig verträumt aus. Doch gerade dafür muss es – wenn man das Cover mit der Handlung in Verbindung bringt – eigentlich einen kleinen Minuspunkt geben. Denn es passt einfach überhaupt nicht zu dem was im Buch passiert. Hält man das Buch in Händen erwartet man eine süße und verträumte Geschichte, allerdings erwartet einen dann das genaue Gegenteil. Das Cover weckt falsche Erwartungen und spricht vielleicht auch die falsche Zielgruppe an.
"Verflucht" ist gelungen und spannend, wobei man jedoch eindeutig bemerkt, dass es sich um einen Auftaktband handelt. Der Leser findet sich langsam in der Geschichte zurecht, allerdings dauert es eine ganze Weile bis man mehr erfährt und erst zum Ende hin wird deutlich worum es in dem Buch wirklich geht und was es mit der Vergangenheit von Dru auf sich hat. Dadurch kann es erst im zweiten Teil der "Strange Angels" Reihe wirklich losgehen. Volle Punktzahl kann ich "Verflucht" leider nicht geben, da es doch immer wieder Kleinigkeiten gab, die mir aufgefallen sind und mich ein wenig gestört haben. Trotzdem konnte Lili St. Crow mich von der ersten Seite an fesseln und ich hatte Spaß das Abenteuer von Dru und Graves zu verfolgen, sodass die negativen Aspekte nicht weiter ins Gewicht gefallen sind. Ich würde die Reihe allen Lesern empfehlen, die Spaß an Urban Fantasy haben. Meiner Meinung nach sind einige Dinge verbesserungsfähig und ich hoffe sehr, dass die Fortsetzungen den ersten Teil übertreffen können. Ich bleibe den "Strange Angels" auf jeden Fall treu und freue mich auf "Verraten".
Mir war egal, dass es meinem Arm, meinen Rippen, meinem Nacken und so ziemlich jedem anderen Teil von mir weh tat, ihn zu drücken. Am meisten schmerzte sowieso mein Herz.
Wenn man komplett am Ende war, blieb doch nur das zu tun, oder? Sich an dem festzuhalten, was man hatte.
Richtig festzuhalten.FAZITSpannend, düster und unterhaltsam! "Verflucht" kann trotz kleiner Schwachstellen überzeugen und macht neugierig auf die Fortsetzung.
NOTE5 / 9 Punkten
Vielen Dank an den
Pan Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!